"Besondere" Berlinale-Filme [kostenpflichtig, Kino-Eintritt]

ICAL

Montag 22.02.2016

Kategorie: Mehr als grats, aber genial

Bin ein großer Fan der Generation-Sektion. Außergewöhnliche Filme aus aller Welt, danach meist spannende Diskussionen mit den Film-Teams und "authentische" Fragen der Kinder (weniger Fragen vom Typ "Gutmenschen, die sich vor allem gern selber reden hören" ;-). Man kriegt auch relativ einfach noch kurzfristig Karten in dieser Sektion. Eintritt in der Generation Sektion 4 Euro. Im Vorverkauf gibt es Fünfer-Gruppen-Karten à 2,50 Euro.

Die Generation Filme gibt es alle Jahre wieder, hier meine Entdeckungen der letzten Berlinale:

Generation 14plus (ab 14 Jahre)

- Nena: Uwe Ochsenknecht spricht holländisch in einem sehr mutigen Film mit einem im Kinosaal heftig diskutierten Schluss. Für die deutsch-niederländische Kooperation zum Thema Lebensmüdigkeit und Sterbefhilfe wird wohl noch ein Verleih gesucht.

 

- Mina Walking: Ein zwölfjähriges Mädchen und ihre Alltags-Herausforderungen in Kabul. Grandiose Hauptdarstellerin, fesselnde Geschichte - für mich unverständlich, dass der Film bei der Generation-Preisverleihung leer ausgegangen ist


- Diary of a Teenage Girl: Stilistisch herausragender Film in einem überzeugenden San-Francisco-der-70er-Jahre Setting und das Ganze noch mit tollen Comic-Animations-Sequenzen veredelt. Inhaltlich geht es um die Sex-Fixierung der Protagonistin, wir haben uns an einigen lustigen Szenen erfreut.


- Flocken: Als ein Mädchen eine Vergewaltigung anzeigt, wird sie und ihre Familie von der Dorfgemeinschaft gemobbt. Düsteres, aber sehr bewegendes und viele Fragen aufwerfendes Gesellschaftsbild aus Schweden.

 

- Corbo: Spannender französisch-kanadischer Film um einen 16jährigen in einer militanten Organisation für die Unabhängigkeit Quebecs in den sehr glaubwüridig dargestellten 60er Jahren (interessante Publikumsfrage an Regisseur: Finden Sie, auf der Berlinale sollte Deutsch gesprochen werden?).

 

- One & Two: Atmosphärisch düsterer und spannender US-Film um zwei irgendwie in ihrem Familienhaus eingesperrten Teenager - als Schmankerl diverse Zitate aus anderen Filmen.

 

- Wonderful World End: Stilistisch interessanter, schräger Film um zwei junge Mädchen, die u.a. als Gothic Lolita versuchen, Youtube-Stars zu sein, mit Einblicken in japanischen Alltag.

 

- Prins: Skuriller niederländischer Film um Jugendliebe und Gewalt, realistische Darstellung mit Phantasy-Elementen.

 

- El Guri (The Kid): In einem argentinischen Dorf will keiner die Verantwortung für ein Waisenbaby übernehmen. Ändert sich das, nachdem der Bruder einer Fremden begegnet? Wir haben die Antwort nicht gefunden. Ruhiger und etwas düsterer Film mit ungewöhnlicher Farbgebung (die Farben wurden laut Regisseur absichtlich nachrtäglich "ausgebleicht").


- Cloro: Außergewöhnlicher italienischer Film um eine Synchron-Schwimmerin, die unter widrigen Lebensumständen ihrer familiären und Bergwelt für einen Wettbewerb trainieren möchte.

 

Generation K-Plus (Kinderfilme)


- Paper Planes: Poetischer Film um einen Papier-Flieger-Wettbewerb mit phantasievollen Kamera-Sequenzen zum Thema Fliegen und leichtfüßig aufbereiteten Tiefgang-Themen. Mini-Kritikpunkt: Der Hauptdarsteller verhält sich vielleicht manchmal etwas zu "besonnen-erwachsen".


- You're ugly too: Kurzweiliger irischer Film um ein Waisenmädchen und einen auf Bewährung entlassenen Strafgefangenen (nach Reaktion meiner Sitznachbarin scheint es sich bei dem Darsteller um einen irischen "George Clooney" zu handeln ;-)

- Regenbogen (Dhanak): großartiger indischer Film mit sinnlichen Farben + Bildern, berührenden und auch lustigen Szenen um eine Schwester, die mit mit ihrem blinden Bruder Bollywood-Star Shah Rukh Khan nachreist, um den Traum einer Operation für seine Sehkraft erfüllt zu bekommen.


- Stella (Min lilla syter): Schwedischer Film zum Thema Magersucht, in einer beeindruckenden Schauspielerleistung aus Sicht der Schwester eines bulimischen Eislauf-Nachwuchsstars.


- Golden Kingdom: In Burma spielender Film aus Sicht junger Mönche, die sich über Gewalt-Anzeichen in ihrer Außenwelt wundern. Buddhistisch-meditativer Film mit tollen Bildern.

 

- A-wang (So be it): Spannender und zeitweise lustiger thailändischer Dokumentarfilm über zwei unterschiedliche Kindheiten in einer Kloster-Schule (einer freiwillig, einer eher unfreiwillig)

- Das himmlische Kamel (Nebesnyj Verbljud): Toll fotografierter russischer Film um einen Nomadenjungen, der Mutter-Kamel und Kind-Kamel wieder zusammenbringen will und auf der Reise einige Abenteuer erlebt und einen Freund gewinnt.


- La casa mas grande: Film aus Guatemala. Wenn ein Mädchen ein entlaufenes Lamm ihrer Schafherde sucht und dabei anderen Menschen begegnet, ist dieser Einblick in ein Alltagsleben eine angenehme Abwechslung zu den europäischen "Zivilisations-Problemen".



- Fluss: auch hier geht ein Handlungsstrang um ein junges Mädchen und ein Lamm, ihre Familiengeschichte spielt in den kargen Bergwelt in den tibetischen Gebieten Westchinas.


- Der Weg zum Fluss: Chinesisches "Kamel-Road-Movie" mit beeindruckenden Einblick ins Alttagsleben einer Nomaden-Minderheit.



- Mini und die Fahrradmücken: In Zeiten unserer 3-D-Reizüberfltung erfrischend 'altmodisch' handgezeichneter dänischer Animationsfilm mit einer netten Geschichte für die ganz Kleinen.

 

Anmerkung: Dies ist ein redaktionell ausgewählter Beitrag über Kostenpflichtiges für unsere Blog- Rubrik "Mehr als gratis, aber genial" (per Klick auf diesen Rubrik-Namen in Fettschrift wird erklärt, warum es manchmal Tips wie diesen gibt und wie klar sie dann gekennzeichnet sind).

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