Frauen und Männer aus den besetzten Ländern Westeuropas waren während des Zweiten Weltkrieges in großer Zahl in Berlin zur Zwangsarbeit eingesetzt. Viele ließen sich freiwillig anwerben, wobei sich der Zwangscharakter dieser Freiwilligkeit häufig erst vor Ort heraus stellte. Ein Großteil der Westeuro-päerInnen war in Lagern untergebracht, viele wohnten aber auch in Privatquartieren. Unter dem Druck des Bombenkrieges veränderte sich das Alltagsleben in Berlin ab 1942/43 - auch die Kriminalität wuchs. Die in Berlin lebenden ausländischen Frauen und Männer wurden als Teil des Problems angesehen. Die Reaktion auf die Situation waren verstärkte Polizeikontrollen und eine drakonische Strafjustiz. Im Vortrag werden erste Ergebnisse aus einem anlaufenden Dokumentations- und Forschungsvorhaben vorgestellt, das sich unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Wildt an der Humboldt-Universität mit Arbei-terInnen aus den besetzten Ländern Westeuropas befasst, die in Berlin zur Zwangsarbeit eingesetzt waren. In einer ersten Projektphase werden dabei vor allem Frauen und Männer aus Belgien und ausschnittsweise aus Frankreich in den Blick genommen. Julia Albert M.A. (Vortrag), Historikerin. Studentische Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin über Kriminalität und Kontrolle in Berlin (1930-1950). Masterarbeit an der FU Berlin über französische Zivilarbeiter vor Berliner Gerichten während des Zweiten Weltkrieges. Derzeit wissenschaftliche Volontärin an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand sowie freie Mitarbeiterin im Dokumentations- und Forschungsvorhaben an der HU Berlin über belgische und andere westeuropäische ZwangsarbeiterInnen in Berlin während des Zweiten Weltkrieges. Dr. Herbert Reinke (Vortrag), Historiker und Sozialwissenschaftler. Neben universitären Berufstätigkeiten Mit-arbeiter der Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sowie Mitglied der Forschungsgruppe zur Geschichte der Kölner Polizei während des Nationalsozialismus und zur Geschichte des Bundeskriminalamtes. Mit-Initiator und Mitarbeiter eines Forschungsprojektes an der TU Berlin über Kriminalität und Kontrolle in Berlin (1930-1950). Derzeit Koordinator des Dokumen-tations- und Forschungsvorhabens an der HU Berlin über belgische und andere westeuropäische ZwangsarbeiterInnen in Berlin während des Zweiten Weltkrieges. Dr. Jens Thiel (Moderation), Historiker und Kulturwissenschaftler. Promotion über Zwangsarbeit und Deportationen im Ersten Weltkrieg in Belgien. Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Erinnerung heißt gedenken und informieren: Die nationalsozialistische 'Euthanasie' und der historische Ort Berliner Tiergartenstraße 4" am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der TU München.