NARUD-Fachtag zu Flucht und Migration
ICAL
Müllerstr. 163 13353 Berlin
- zum Stadtplan
Samstag 10.11.2018 - Anfangszeit: 08:30 Uhr
Kategorie: Leute treffen
Fachtag zu Flucht und Migration:
“Gemeinsam gegen Fluchtursachen und Diskriminierung”
Programm
INPUT-THEMEN AM VORMITTAG:
1. Situation von Frauen im Fluchtkontext (Madeleine Mawamba, Women in
Exile e.V.)
2. EU-Abschottungspolitik (Frank Dörner, Sea-Watch e.V.)
3. Subsahara-Afrika in der Konfrontation mit Gewaltkonflikten, Wirtschaftskrise
und Fluchtproblematik – Rolle der EU und AU in den gegenwärtigen
Krisenverhältnissen (Dr. Salua Nour, FU Berlin)
4. Aktive Rolle der afrikanischen Diaspora in Entwicklungsarbeit /
Fluchtursachenbekämpfung (Idriss T. Nsangou, AMK e.V)
5. Verstetigung der Willkommenskultur mit Blick auf Fluchtursachen (Narcisse
Djakam, Autor und Gründer von iNTEGRiTUDE e.V.)
PUBLIKUMS- UND PODIUMS-DISKUSSION
MITTAGSPAUSE MIT AFRIKANISCHEM BUFFET
DISKUSSIONSPANELS (PARALLEL, ZUR AUSWAHL):
1) Frauen im Fluchtkontext:
Genderbezogene Diskriminierung in Herkunftsländern, auf der Flucht und in
Deutschland; Stärkung Betroffener zur Erreichung des Entwicklungsziels
Gleichberechtigung
(mit: Madeleine Mawamba, Women in Exile
e.V.)
2) Rollen der EU und AU: Von Abschottungspolitik
und Neokolonialismus zu gerechter Ressourcenverteilung und Partnerschaft auf
Augenhöhe
(mit: Ingar Solty, Rosa Luxemburg
Stiftung | Dr. Salua Nour, FU Berlin)
3) Zivilgesellschaftliches
Engagement: Verstetigung der Willkommenskultur, Erweiterung des
Betätigungsfeldes in die Fluchtursachenbekämpfung, Rolle migrantischer
Organisationen als Partner und Akteur_innen der gesellschaftlichen Entwicklung
(mit: Kirsten Müller-von der Heyden,
Seebücke-Bewegung | Narcisse Djakam, iNTEGRiTUDE e.V. | Julia Große,
Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik im Bezirksamt Mitte | Sabine
Speiser, Willkommen im Westend)
ABSCHLUSSDISKUSSION
Bei der Anmeldungen bitte Wunsch-Panel angeben:
Tel.: +49 (0)30 - 40757551
E-Mail: bildungsnetzwerk@narud.org
Hintergrundinformationen
Der Fachtag im Rahmen des Projektes “Willkommen und Beteiligt - Die Diaspora auf der Suche nach Wegen der politischen Einflussnahme” schließt eine zweijährige Schwerpunktsetzung auf das Thema Fluchtursachenbekämpfung ab.
Das Thema Flucht und Migration bestimmt weiterhin wesentlich die öffentliche politische Auseinandersetzung, obwohl immer weniger Schutzsuchende es überhaupt nach Europa schaffen. Die europäischen Regierungen setzten vor allem auf die Verschärfung der Abschottungspolitik. Dabei lassen sie sich vom wachsenden Rechtspopulismus in Europa treiben, der in immer mehr europäischen Regierungen vertreten ist, wie jetzt auch in Österreich und Italien.
Der europäischen Öffentlichkeit entgeht, dass Flucht und Migration überwiegend innerhalb der und zwischen den Ländern Afrikas stattfinden. Die EU-Abschottungspolitik zielt darauf ab, die globale Verantwortung für Schutzsuchende abzuwälzen. Die Todesfälle werden dabei vom Mittelmeer in die Sahara verlagert. Mit welchen Regierungen man dafür kooperiert, welche Länder man zu “sicheren Herkunftsländern” erklärt, ist dem Hauptziel der Abschottung untergeordnet. Die Bekämpfung der Fluchtursachen droht demgegenüber zum reinen Lippenbekenntnis zu werden. Zwar verspricht die Bundesregierung mit dem Marshallplan ‘mit’ Afrika eine Partnerschaft auf Augenhöhe zur Erreichung der globalen Ziele nachhaltiger Entwicklung. Doch ob die Bundesregierung, die EU und die Afrikanische Union politisch wirklich zur Überwindung der Krisenverhältnisse beitragen, will der NARUD-Fachtag zur Diskussion stellen.
Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie Migrant_innen in Ihrer Rolle als Mitgestalter_innen dieser Zukunftsaufgaben gestärkt werden, und ihre vielfältigen Expertisen und Netzwerke mehr in die Entwicklungszusammenarbeit, aber auch in die Integrationsarbeit eingehen können.
Ein Fokus des Fachtags liegt auf genderbezogener Diskriminierung, die es Frauen und Mädchen besonders erschwert, sich aus menschenunwürdigen und gefährlichen Lebensbedingungen zu befreien, ihr Recht auf Asyl in Anspruch zu nehmen und in Deutschland intersektionale Ausgrenzungen zu überwinden. Wir suchen Ansätze, Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung u.a. darin zu stärken, sich selbst für das Entwicklungsziel Gleichberechtigung auf globaler Ebene einzusetzen. Dabei gilt es dem entgegenzuwirken, dass gerade von rechtspopulistischer Seite der Emanzipationsdiskurs für eine Verschärfung des Grenzregimes und zur Ausgrenzung subalterner Individuen und Gruppen instrumentalisiert wird.
Aktuell stellt sich die Frage, ob mit den Akteur_innen der Willkommenskultur und der Seebrücke eine neue soziale Bewegung entstanden ist, die sich der Abschottungspolitik entgegenstellt. Gelingt es ihnen, Paternalismus zu überwinden und Kritik an einer vor allem auf ökonomische Nützlichkeit der Einwandernden ausgerichteten Migrations- und Integrationspolitik laut werden zu lassen? Lässt sich, was hier an einer neuen politischen Kraft heranwächst, verstetigen und auch dafür gewinnen, ernsthaft und gemeinsam mit der Diaspora die Fluchtursachen zu bekämpfen?
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