Wir freuen uns auf Euren Besuch der Aktion "Gemeingut statt Leerstand", dieses Mal vor dem leerstehenden Haus in der Hasenheide 47 Berlin-Kreuzberg. Der ausladende Altbau mit Vorderhaus, Seitenhaus und Hinterhaus steht fast vollständig leer. Die verbliebenen Mieter:innen berichten, dass der Eigentümer vor über 10 Jahren begann, frei werdende Wohnungen zu entkernen und nicht mehr zu vermieten. Vor ca. vier Jahren begann eine systematische Entmietung: Schäden am Dach, die schwere Wasserschäden zur Folge hatten, wurden mit Bezugnahme auf einen geplanten Dachgeschossausbau nicht repariert. Zudem wurde mit Abfindungen für den Auszug geworben. Dem Bezirksamt ist ein umfassender Leerstand seit 2014 bekannt. Der Eigentümer stellte immer wieder erfolgreich Sanierungsanträge, setzte diese aber nicht um. So blieb der Leerstand genehmigt. Inzwischen haben die Sanierungsarbeiten begonnen. Drei Mietparteien wehrten sich bis zuletzt gegen die Entmietung. Nun wurden Ihnen Umsetzwohnungen und der Wiedereinzug nach zwei Jahren zugesichert.
Das Projekt "Gemeingut statt Leerstand"
Die Stadtbodenstiftung ist unterwegs in Berlin! Ende August beginnt unser Projekt „Gemeingut statt Leerstand“. Nachdem die Stadtbodenstiftung in den letzten Monaten mit viel Energie errichtet wurde, wollen wir nun mit den Menschen der Stadt ins Gespräch kommen, um die Idee einer an Bedarfen anstatt an Profit orientierten Stadtentwicklung für den Berliner Kontext mit Leben und dem Wissen der Stadtbewohner:innen zu füllen. Das Projekt „Gemeingut statt Leerstand“ setzt hierzu an der Problematik von spekulativem Leerstand an: Bei diesem bleibt die Immobilie leer, weil es lukrativer erscheint, sie ungenutzt zu lassen, um sie ohne „wertmindernde“ Mieter:innen oder Nutzungen zum geeigneten Zeitpunkt teurer weiterzuverkaufen. Hier wird für alle sichtbar, dass immer mehr Wohn- und Gewerbeimmobilien vor allem zu Spekulationsobjekten geworden sind. Gewinne werden bei diesen nicht mehr primär aus Mieteinkünften erzielt, sondern sind Folge steigender Immobilien- bzw. Bodenpreise. Bei dieser Form der profitgelenkten Stadtentwicklung geht jegliche Orientierung am Gemeinwohl oder an den lokalen Bedürfnissen möglicher Nutzer:innen und Nachbarschaften verloren. Bei dem Projekt „Gemeingut statt Leerstand“ wird spekulativer Leerstand als „Spitze des Eisberges“ einer solchen Stadtentwicklung wird zum Anlass genommen, um ins Gespräch zu kommen: Wie ist die Wahrnehmung der Leerstands- und Spekulationsphänomene in den verschiedenen Berliner Bezirken? Was könnte und sollte an diesen Leerstandsorten Sinnvolles für die eigene Nachbarschaft stattfinden? Was bedeutet die eigene Nachbarschaft den Menschen überhaupt? Und welche Rolle könnte ein Berliner „Community-Land-Trust“ für die weitere Gestaltung der Stadt übernehmen? An zwölf Standorten spekulativen Leerstands– einem pro Berliner Bezirk – wird von uns eine ortsspezifische Intervention durchgeführt. Für einen Tag wird eine mobile Soundinstallation aufgebaut, die zur Interaktion und diskursivem Meinungsaustausch einlädt. Wir wollen vor Ort ins Gespräch kommen und die vielfältigen Stimmen der Anwohner:innen einfangen. Diese O-Töne werden als Audios an den folgenden Orten des Leerstands über Lautsprecher wiedergegeben. So entsteht ein wachsendes, vielstimmiges Mosaik der Anwohner:innen von Leerstandsimmobilien aus allen zwölf Bezirken Berlins. Aus diesem Material wird im Anschluss an die Interventionen ein dokumentarischer Kunstfilm über die „kollektive Wunschproduktion“ der Berliner:innen zum Thema „Gemeingut statt Leerstand“ entstehen.