Mo., 12.01.2015, 19:30 Uhr, Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Hörsaal 2014B
Sarah Schaschek Debatten über Pornografie konzentrieren sich auf Darstellungspolitiken, insbesondere auf die stereotype Repräsentation von Geschlecht. Auch die feministische Pornografiekritik sowie die queere Pornografie, die sich auf den sex-positiven Feminismus beruft, beziehen sich meist auf die Ebene der Repräsentation, etwa wenn sie heteronormative Geschlechterrollen dekonstruieren oder parodieren. Die Bedeutung stereotyper Darstellungen für das affektive Genießen von Pornografie wird dabei oft übersehen. Mit dem affective turn in den Filmwissenschaften hält nun die Kategorie der Erfahrung Einzug in die Pornografiedebatte. Doch wie lässt sich die erfahrene Erregung im queeren Pornofilm bewerten, der vor allem auf die repräsentative Durchbrechung von Gendernormen zielt? Kann man Erfahrung wie Lust oder Ekel, die Pornografie durch Wiederholung hervorruft, ebenfalls dekonstruieren? Der Vortrag befragt queere Pornos auf ihre Affektstrategien und fordert neue Lesarten, die die affektive Struktur von Pornografie berücksichtigen. Sarah Schaschek beschäftigt sich als Journalistin mit Fragen über Weiblichkeit, Männlichkeit und Sexualität. Sie studierte amerikanische Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften und evangelische Theologie in Bonn und Prag, forschte bei der Porn Studies-Pionierin Linda Williams in Berkeley und wurde mit einer Arbeit über Serialität in der Pornografie promoviert.2014 erschien ihre Dissertation „Pornography and Seriality: The Culture of Producing Pleasure" bei Palgrave Macmillan. Sie hat 2012 den Kurs „Screening Lola" über feministische Filmtheorie am American Institute for Foreign Studies in Berlin unterrichtet und arbeitet wissenschaftlich zu Pornografie, Geschlecht und Popkultur. Neuere Publikationen sind: „Die Ordnung des Begehrens: Serialität in der Onlinepornografie." In: Jennifer Henke et al. (Hg.), Hollywood Reloaded: Genrewandel und Medienerfahrung nach der Jahrtausendwende. Marburg: Schüren 2013 und „Wiederholung als Lustprinzip: Serialität in der Pornografie." In: Thomas Morsch (Hg.), Genre und Serie. München: Wilhelm Fink (im Erscheinen). www.sarah-schaschek.de Zutritt zur Veranstaltung erst ab 18 Jahren. (Quelle: Internetseite)