Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Forschungsteam im United States Holocaust Memorial Museum an der bisher ausführlichsten Dokumentation der nationalsozialistischen Ghettos und Lager in Europa. Nachdem im Jahr 2012 der zweite Band zu den 1.142 von den Deutschen eingerichteten Ghettos im besetzten Osteuropa erschienen ist, werden die übrigen Bände zu den restlichen Lagertypen nun gleichzeitig bearbeitet. Dabei wird klar, dass für viele Opfer der Leidensweg über mehrere Stationen gegangen ist. Durch das Schicksal von Einzelpersonen wird das verzahnte Netzwerk der zahlreichen und unterschiedlichen Lagertypen greifbar. In seinem Vortrag stellt Martin Dean die neuesten Ergebnisse des USHMM Encyclopedia of Camps und Ghettos Projekts vor.
Dr. Martin Dean (Vortrag) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am United States Holocaust Memorial Museum's Center for Advanced Holocaust Studies in Washington. Nach seiner Promotion 1989 am Queen's College in Cambridge arbeitete er u.a. für das British Home Office War Crimes Inquiry und für die Australian Special Investigations Unit (War Crimes). Er veröffentlichte u.a. Collaboration in the Holocaust: Crimes of the Local Police in Belorussia and Ukraine, 1941-44, London, 2000 sowie Robbing the Jews: the Confiscation of Jewish Property in the Holocaust, 1933-1945, Cambridge 2008. Zusammen mit Geoffrey Megargee gab er 2012 die Bände The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, vol. 2 Ghettos in German-Occupied Eastern Europe heraus. Aktuell arbeitet er als Herausgeber an den Bänden 5 und 6 der Enzyklopädie zu Zwangsarbeiterlagern für Juden und andere Lager unter der Leitung von SS und Polizei sowie zu den Lagern für zivile Zwangsarbeiter.
Margot Blank (Moderation) studierte an der Freien Universität Berlin Ost- und Südosteuropäische Geschichte, Slawistik und Politologie. Sie recherchierte für die Crimes against Humanity and War Crimes Section beim Canadian Department of Justice und war Intelligence Analyst beim UN International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia, Den Haag. Außerdem baute sie eine Datenbank mit mehr als 600 Lagern auf, die ab 1941 in den besetzten Gebieten der Sowjetunion errichtet wurden. Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst.