Gerhild Steinbuch und Jörg Albrecht Memory der Fiktionen
Nolte Decar Helmut Kohl läuft durch Hongkong
Welche Verantwortung haben Fiktionen eigentlich der Realität gegenüber? Aber vor allen Dingen welche Realität, wenn alles fiktiv erscheint? Gerhild Steinbuch und Jörg Albrecht, die zusammen Arbeiten über popmoderne Medienmythen entwickelt haben (zuletzt You're not the same, Batman!), fragen diesmal in einem dem Zufall überlassenen Fiktionsmemory nach der Verantwortung von Fiktionen gegenüber der Realität und lassen nebenbei mögliche unmögliche Geschichten und mögliche unmögliche Realitäten entstehen.
Die selbsternannten Schreckgespenster des bürgerlichen Feuilletons, setzen sich in einer SkandalPerformance mit dem immer noch wenig vorhandenen Nachspielen neuer Texte auseinander. Dazu nehmen sie ihr Stück Helmut Kohl läuft durch Bonn auseinander, rauchen französischen Käse, trinken Gitanes, lesen Rotwein, und essen Deleuze, das alles unter dem Titel: Helmut Kohl läuft durch Hongkong.
Gerhild Steinbuch, 1983 in Mödling geboren, studierte Szenisches Schreiben in Graz und seit Herbst 2012 den Master der Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Derzeit schreibt sie im Auftrag der Opéra de Lille das Libretto für eine Oper von Wolfgang Mitterer, deren Uraufführung für die Spielzeit 2015/16 geplant ist, sowie an einem Auftrag für das Schauspiel Leipzig. Gemeinsam mit Jörg Albrecht erarbeitet Gerhild Steinbuch derzeit eine Performance für den Steirischen Herbst.
Jörg Albrecht wurde 1981 in Bonn geboren und wuchs in Dortmund auf, heute lebt er in Berlin. Er studierte von 2001 bis 2006 Komparatistik, Germanistik und Geschichte in Bochum und Wien. Albrecht schreibt Prosa/Romane, Theatertexte, Hörspiele, Essays, seine Foto- und Videoarbeiten und Performances beschäftigen sich als intermediale Serien mit Machtkonstellationen. Seine literarischen Arbeiten zu Themen wie Überwachung, Prekarisierung und Queerness wurden als Rückkehr des Diskursiven und Politischen in die Literatur der jüngeren deutschen Generation gewertet.
Nolte Decar Die Autoren Michel Decar und Jakob Nolte wurden Ende der 1980er Jahre in westdeutschen Kleinstädten geboren und großgezogen. Sie studierten Szenisches Schreiben an der UdK in Berlin und verfassen Romane und Theaterstücke. Ihr Stück Das Tierreich wurde 2013 mit dem Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin ausgezeichnet und für den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2014 nominiert. Helmut Kohl läuft durch Bonn wurde zu den Autorentheatertagen 2014 am Deutschen Theater Berlin eingeladen. 2014 nahmen sie außerdem am europäischen Autorenlabor Theatre Cafe teil, einer Kooperation von vier Theatern in England, den Niederlanden, Norwegen und Deutschland.-------------------------------------6.-15. Mai 2015: RealFiktionenWie kann in Berlin eine Auseinandersetzung über Dramatik abseits des Theaterbetriebs, und umgekehrt eine Auseinandersetzung über Prosa im dramatischen Kontext geschaffen werden? Und welche Texte dürfen fiktiv über welche Wirklichkeiten überhaupt in welchem Rahmen erzählen? RealFiktionen ist ein Symposium für zeitgenössischen Theatertext und seine Schaffensprozesse. Der Dramatiker Thomas Köck und die Literaturveranstalterin Carolin Beutel haben 10 AutorInnen versammelt, die an der Schnittstelle von Theater / Prosa und Performance arbeiten. An drei Abenden werden sie medial vielfältig über Text und Theater nachdenken, nicht im Theater selbst, sondern im Literaturhaus. Ziel ist es den Theatertext dort zu kontextualisieren und zur Sprache zu bringen, wo er die letzten Jahre selten bis gar nicht zu sehen war: In der Literatur.Künstlerische und organisatorische Leitung: Carolin Beutel und Thomas KöckGefördert aus Projektmitteln der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten