Kristjan Knall – Autorenlesung am 12.12.2014 in der Kulturwerkstadt – Danckelmannstraße 9a. Eintritt frei. Einlass ab 19 Uhr. Moderation: Sarah Waterfeld Berlin-Basher, Hass-Prediger, Kotzbrocken – dies alles sind werbewirksame Beschreibungen für einen empörten jungen Mann, der in seinen feinfühligen Milieustudien Land und Leute seziert: Kapitalismus, Arbeitszwang, Verelendung - Nationalgewichse, Besitzfetisch, gierige Funktionselite - Überbevölkerung, Treibhauseffekt, Nahrungsmangel, Kriege. Sein Debüt Berlin zum Abkacken. Alle Arschlöcher nach Bezirken ist eine Persiflage auf sozialkritische Sachbücher und Reiseführer zugleich. Die Sprache reizt zum Gegenangriff: Natürlich können wir monieren, dass sich der BahnTower am Potsdamer Platz leider nicht von der ubiquitären Phallus-Architektur abhebt. Verdichtet könnten wir aber auch einfach sagen, dass wir den Glaspimmel echt scheiße finden. In seiner zweiten Anklageschrift Stoppt die Klugscheißer. Ein Motzbuch widmet sich Kristjan Knall Themen wie Hartz IV, Gentrifizierung, industrieller Landwirtschaft und Konsumwahn. Was daran neu sein soll? Der Verzicht auf den elitären Sprachduktus des verkannten Wissenschaftsgenies, das sich gerne mal am eigenen Bildungsgrad berauscht. Frei nach dem Motto: In jedem von uns steckt ein Proll und das ist auch gut so. Und auch mit seinem dritten Band Europa ist geil, nur nicht hier. Vorurteile fürs Handgepäck ist Knall sich treu geblieben und sagt, was zu sagen ist. Kristjan Knall will unerkannt bleiben, so weit ist es also schon gekommen, und wir gewähren ihm dieses Recht am 12.12.2014 in der Kulturwerkstadt in der Danckelmannstraße 9a – im Übrigen die einzige Straße, die der Autor eines netten Wortes würdigt. Wir hören die amüsantesten Stellen seines Gesamtwerks und erörtern gemeinsam, womit wir es mit diesem Autor und seinem Menschenbild eigentlich zu tun haben. Mit Resignation hat Kristjan Knall jedenfalls nichts am Hut. Erwarten können wir eine aufgeheizte Atmosphäre, den ein oder anderen Wutanfall oder auch Lachkrampf, kühle Getränke und eine Überraschung, die sich gewaschen hat. Mit engagierter Literatur dem Ernst entsagen in der festen Überzeugung: Ein Narr macht viele.