Vortrag und Lesung mit
Birgit Bublies-Godau (Historikerin)
Silke Jensen (Schauspielerin)
Bertram von Boxberg (Schauspieler)
Fällt der Name Friedrich Naumann, denken die Meisten wohl an eine parteinahe Stiftung. Einige denken vielleicht noch an den Vorreiter des sozialen Liberalismus. Nach dem Ersten Weltkrieg war Naumann (1860-1919) der erste Vorsitzende der neu gegründeten linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und wurde Mitglied in der Weimarer Nationalversammlung. Dass Naumann auch die bürgerliche Frauenbewegung seiner Zeit maßgeblich mitprägte und sich gemeinsam mit prominenten Frauenrechtlerinnen für die politischen Rechte der Frauen eingesetzt hat, ist hingegen in Vergessenheit geraten. Mit dem Abend „Friedrich Naumann und Gertrud Bäumer“ soll daran erinnert werden. Ab 1906 lebte und arbeitete Naumann in der inzwischen nach ihm benannten Straße direkt gegenüber dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof. Auf diesem Friedhof ruht er auch in einem Ehrengrab.
Gertrud Bäumer (1873–1954) gehörte wie Helene Lange zu den führenden Frauenrechtlerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie war eine der ersten aktiven Politikerinnen Deutschlands, war Reichstagsabgeordnete in der Weimarer Republik und Delegierte beim Völkerbund in Genf. Sie war schriftstellerisch und publizistisch tätig. Ihre politische Einstellung war stark von Friedrich Naumann beeinflusst worden, mit dem sie ab 1906 eng zusammenarbeitete. Für die von Naumann seit 1894 herausgegebene sozialliberale Zeitschrift „Die Hilfe“ übernahm sie ab 1912 den Kulturteil.
Birgit Bublies-Godau, M.A., hat an der Ruhr-Universität Bochum Geschichtswissenschaft, Germanistik und Politikwissenschaft studiert und schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit über den 1848er Demokraten Jakob Venedey (1805-1871). Ihr Vortrag wird durch Zitate aus den Schriften von Naumann und Bäumer ergänzt, die von den Schauspielern Silke Jensen und Bertram von Boxberg vorgetragen werden.