Anlässlich der ersten und umfassenden monografischen Ausstellung der tschechoslowakischen surrealistischen Malerin Toyen (1902-1980) in Deutschland, die in der Hamburger Kunsthalle initiiert wurde, laden wir die Kuratorinnen der Ausstellung, Dr. Annabelle Görgen-Lammers und Dr. Anna Pravdová ein, das Werk von Toyen vorzustellen.
Obwohl es nur ein einziges Gemälde von Toyen im Besitz einer deutschen Institutionen gibt, war es Dr. Annabelle Görgen-Lammers von der Hamburger Kunsthalle, die ein mehrjähriges deutsch-tschechisch-französisches Forschungs- und Ausstellungsprojekt zu Toyens bisher unerschlossenem Werk initiierte. So ist es nun möglich, in Hamburg eine im deutschen Kontext einzigartige Ausstellung zu sehen, die einer tschechischen Künstlerin gewidmet ist.
Die beiden Kuratorinnen stellen im gemeinsamen Gespräch die reiche Bildwelt und das Leben von Marie Čermínová vor, die unter dem Pseudonym Toyen gearbeitet hat und in der Tschechoslowakei und auch in Frankreich lebte. Das Werk der eigenwilligen Malerin bewegte sich zwischen Realität und Fantasie seit den 1920er Jahren innerhalb der tschechoslowakischen Avantgarde. Die junge Toyen sehnte sich nach Freiheit und schloss sich anarchistischen und kommunistischen politischen Gruppen an, 1934 ist sie Mitbegründerin der tschechoslowakischen Surrealistengruppe. Persönliche Begegnungen mit André Breton und anderen Surrealisten in Paris bestätigen sie in der Richtung ihrer künstlerischen Entwicklung. Nach dem kommunistischen Putsch 1948 in der Tschechoslowakei und nach Jahren der Gewalt und Angst während der deutschen Besatzung emigrierte sie nach Paris, wo sie bis zu ihrem Tod 1980 arbeitete. Die Co-Kuratorinnen Dr. Annabelle Görgen-Lammers und Dr. Anna Pravdová, welche mit Annie Le Brun die Ausstellung kuratiert haben, werden auch erläutern, wie das internationale Gemeinschaftsprojekt zustande gekommen ist und wie es auf die verschiedenen Kontexte reagiert, in denen es präsentiert wird.
Die Ausstellung war bereits in der Nationalgalerie in Prag zu sehen und wird nach ihrer Präsentation in der Hamburger Kunsthalle (bis 13.02.2022) im Musée d'Art Moderne de Paris zu sehen sein.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen den drei Institutionen.Der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten. Das Gespräch wird online auf unseren Facebook- und YouTube-Kanälen gestreamt, wo die Aufzeichnung einen Monat lang nach der Veröffentlichung verfügbar sein wird.