Sebastian Klug arbeitet mit Fotografien die er mit einem alten Handy schießt, anschließend druckt, zerschneidet und wieder zusammenwebt. Die Bild-Objekte, die durch diese Technik entstehen, zeichnen sich durch ihre bisweilen reliefartige, dreidimensionale Oberflächenstruktur aus. Der ursprüngliche Bildinhalt wird verfremdet, das Materialhafte der Fotografien rückt in den Vordergrund und schafft eine zusätzliche Betrachtungsebene außerhalb des Bilds.
"Blue memories" ist eine Serie, die auf gefundenen schwarz-weiß Fotografien aus den 40er bis 60er Jahren basiert. Klug, der davor vor allem mit Bildern aus seinen Streifzügen durch das Berliner Nachtleben gearbeitet hat, greift hier auf Material aus Wohnungsentrümplungen zurück, das er auf Flohmärkten gefunden hat. Er fotografiert die Schwarz-Weiß Aufnahmen aus dem Privatleben ihm unbekannter Personen ab, wobei er über die ursprünglichen Bilder einen kühlen, grün-blauen Schleier aus niedriger Auflösung legt, der die Distanz zu den Dargestellten deutlich macht. Durch das anschließende Zerschneiden und Verweben von jeweils zwei Drucken eines so verfremdeten Bildes, wird die digitale Patina um den physischen Zersetzungsprozess erweitert, bei dem sich die Zwischenräume einzelner Papierstreifen bis zum sichtbaren Auseinander-Fallen des Bildmotivs an den Rändern hin addieren. Den Widerspruch zwischen dem Wunsch, die Privatsphäre zu wahren und dem, die Schönheit, Traurigkeit und Komik der vorgefundenen Aufnahmen zu zeigen, löst Klug in seinem mehrschichtigen Verfremdungsprozess auf.
Sebastian Klug studierte Architektur und arbeitet seit 2010 als freischaffender Künstler in Berlin. Seine Arbeiten wurden auf dem 4. Monat der Fotografie in Berlin als highlight ausgezeichnet und in den Büchern "Berlin What? 102 contemporary artists", "Berlijn voor gevorderden" und dem Fotoband "Berlinoir" publiziert. Er stellt national wie international aus und wird von der neonchocolate gallery (Berlin) vertreten.