Ein Traum von Theater
Sibylle Bergemanns Jahre mit dem Theater RambaZamba
25. November 2011 bis 8. Janar 2012
WILLY-BRANDT-HAUS Berlin
Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr | Eintritt frei | Ausweis erforderlich
Die Ausstellung ist am 24., 25., 26. und 31. Dezember 2011 sowie am 1. Januar 2012 geschlossen.
Sibylle Bergemann (1941-2010), zahlt ohne Zweifel zu den Ikonen der deutschen Gegenwarts-Fotografie. Als Gründungsmitglied der Agentur Ostkreuz, Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Fotografin für Die Zeit, das New York Times Magazin, für Spiegel, Stern und Geo hatte sich einen internationalen Ruf erworben. Ihre Serie -das Denkmal- hangt im Museum of Modern Art in New York. Gerade würdigten die -Dichterin mit der Kamera- u.a. Werkschauen bei C/O Berlin und im Leonhardi-Museum in Dresden. Sie, die mit Gespür für das Leise und bewundernswerter Konsequenz die Komposition der Sanftheit pflegte. -Wo sie hinsah, war Komposition- die Worte ihres Mentors und spateren Ehemanns Arno Fischer. -Grande Dame der DDR-Fotografie-; diesen Titel hatte sie sich erworben, wenn auch selbst ungern gehort.
Bei einer Institution jedoch kumuliert ihre eigene Lebensgeschichte als Fotografin in der DDR mit Anderer Biografie. Es war das integrative Theater RambaZamba in der Berliner Kultur-brauerei. Gegründet von Gisela Hohne und Klaus Erforth - wie Bergemann Personlichkeiten des kulturellen Lebens mit gemeinsamer Herkunft aus einem untergegangenen Staat. Eine Begegnung und ein Glücksfall.
Es war Zufall, dass Sibylle Bergemann auf dieses augenscheinlich -besondere- Theater aufmerksam wurde. Sie blieb ihm und den Schauspielern mit (zumeist geistiger) Behinderung bis zu ihrem Tod im Herbst 2010 verbunden. Aus der besonderen Leidenschaft Bergemanns entstand meist anlasslich der Premieren des Theaters eine einzigartige Langzeitstudie die, von der Fotografin nicht als geschlossene Serie konzipiert, nun erstmals zur Ausstellung kommt.
Das Theater RambaZamba zeigt mit ausdrücklicher Zustimmung der Familie Bergemann/ Fischer und in Zusammenarbeit mit der Fotografenagentur Ostkreuz sowie der Kulturbrauerei Berlin Innenansichten auf eine beeindruckende Theaterinstitution aus den Augen einer Fotografin von Weltrang.
Seit 1997 begleitete -die Bergemann- das Ensemble, sechs Inszenierungen dokumentierte sie bis kurz vor ihrem viel zu frühen Tod. Mit staunender Bewunderung für die Schauspieler, die hier wirken, deren Feinheit, Besonderheit, Zerbrechlichkeit und Starke sie faszinierte. Außergewohnliche Motive in Maske, die ihr einfühlsamer Blick für das Feine, das Unaufgeregte, das Außergewohnliche erspürte und einfing. Posthum zusammengestellt von Dr. Gisela Hohne und einem von BergemannsA' Ostkreuz-Schülern, dem Fotografen Jonas Ludwig Walter.
-Die Bilder haben eine feine Aura, die Sibylle Bergemann ihnen verleiht und die sie selber bei den Schauspielern gesehen hat. Sie lassen die Welt von RambaZamba in allen Nuancen schillern und ziehen einen magisch an.- Das fasziniert ihn als Kurator der Ausstellung. -Ich freue mich auch sehr auf die spannende Mischung von einigen ihrer Klassiker und anderen, bisher vollig unbekannten Bildern.-
In der Summe ist die Ausstellung -Ein Traum von Theater- ein Novum. Zwar gehoren einige der Bilder zu Bergemanns berühmtesten und sind bereits durch Ausstellungen und Bildbande ihrer Gesamtschauen, durch Abdruck in GEO, STERN und anderen Publikationen einem breiten Publikum bekannt. Viele der ausgewahlten Bilder aber werden nun erstmals der Offentlichkeit vorgestellt. Auch in der angestrebten Fokussierung, der Ausschließlichkeit zum Topos -Schauspieler mit sogenannter Behinderung- wird diese Ausstellung erst- und einmalig sein. Gezeigt werden analoge Handabzüge der Künstlerin sowie neue Prints und originale Polaroids. Diese gewinnen eine ganz besondere Bedeutung im Umgang mit dem Thema des anders Seins. Die kleinformatigen Polaroids, erschließen sich dem Betrachter in ihrer Unmittelbarkeit nur durch sehr nahe Betrachtung. Besonders darauf legt das -Behindertentheater- großen Wert: die Annaherung an eine oftmals belachelte, -randstandige- Kunst. Auf dieses vorurteilsfreie Betrachten, dieses -nahe- Erleben ist die Arbeit des Theaters RambaZamba angelegt. Die Aufforderung -treten Sie naher- ware mit Sicherheit auch im Sinne der Fotografin.
Es ist Sibylle Bergemanns über die Jahre entwickeltes Gespür für das feine, prazise und unaufgeregte Motiv, das ihre Arbeit diese Wertschatzung schon zu Lebzeiten erfuhr. Ihre hier vorgestellten Portraits und Inszenierungsbilder unterstreichen dies einmal mehr.
-Ein Traum von Theater-: eine Hommage an Sibylle Bergemann und ihren traumhaften Blick auf ganz besondere Schauspieler.