Performance-Abend zur Ausstellung „Tracing Echoes“

ICAL

Otto-Suhr-Allee 98 10585 Berlin - zum Stadtplan

Mittwoch 14.05.2025 - Anfangszeit: 19:30 Uhr

Kategorie: Kunst (Galerien etc.)

Performance-Abend zur Ausstellung „Tracing Echoes“

Im Rahmen der Ausstellung „Tracing Echoes“ findet am Mittwoch, 14. Mai 2025 ab 19:30 Uhr ein Performance-Abend mit den Künstler:innen statt.

Kommen Sie vorbei: kostenlos und ohne Anmeldung!

Das erwartet Sie:



Óscar Perdomo Ceballos & Monika Gabriela Dorniak

Die multisensorische, interaktive Lecture Performance „Canine Messengers, Arboreal Memories“ untersucht interspezifische Beziehungen und mystische Erfahrungen und hinterfragt dabei traditionelle Vorstellungen von Konsens und individueller Handlungsmacht. Óscar Perdomo Ceballos und Monika Gabriela Dorniak nutzen Sauerteigbrot-Skulpturen und selbstgemachte Tinkturen, um diese Konzepte gemeinsam mit dem Publikum aktiv zu reflektieren. Ausgehend von biografischen Bezügen zu ländlichem Kolumbien und Deutschland wird die transformative Kraft von Begegnungen mit nicht-menschlichen Wesen – einem Baum und einem Hund – thematisiert, die von den beiden Künstler*innen als aktive Mitgestaltende ihrer Lebenswege verstanden werden.

Die Performance setzt sich kritisch mit dem Konzept des Konsenses in diesen Begegnungen auseinander und greift das Erbe Hildegard von Bingens auf, deren mystische Lehren über Dorniaks familiäre Geschichte mit dem theologischen Konzept des Pajmuri der Desano aus dem kolumbianischen Amazonasgebiet in Dialog treten. Pajmuri beschreibt den „Moment der Fermentation“, in dem Wissen aus dem Zusammenwirken verschiedener Kräfte entsteht, vermittelt durch Boten wie Bäume, Säugetiere und Vögel.

Durch die Verbindung persönlicher Narrative mit theoretischen Reflexionen werden die durchlässigen Grenzen von Identität und die Verflechtung mit anderen Spezies thematisiert. Die Künstler*innen greifen dabei auch auf einen ortsspezifischen Kontext zurück und beziehen sich auf die Geschichte von Pan und Syrinx. Die Performance hinterfragt die Möglichkeit eines klaren Konsenses in mystischen Begegnungen und trägt zur Diskussion über Mystik, Konsens und das transformative Potenzial interspezifischer Verwandtschaften bei.



Michael S. Bekele & Romain Camille Bertheau

Michael S. Bekele und Romain Camille Bertheau präsentieren eine improvisierte Klangperformance, die den Raum der Bibliothek auf besondere Weise erfahrbar macht. Im Zusammenspiel von Klavier und weiteren Klangkörpern entfalten sie ein offenes, dialogisches Spiel. Die beiden Künstler setzen auf spontane Interaktion und lassen sich von den Eigenheiten des Ortes sowie von den aufgefundenen Noten der Bibliothek leiten.



Die Künstler:innen:

Michael S. Bekele ist ein Autor und Regisseur mit Sitz in Stockholm und Berlin, dessen künstlerische Praxis sich auf das Körperliche und Unterbewusste konzentriert. Er arbeitet in den Bereichen Film, Radio und Performance.

Monika Gabriela Dorniak (*1988, Prüm) ist eine Deutsch-Polnische interdisziplinäre Künstlerin. Mit ihrem Hintergrund in Textilkunst, Psychologie und Choreographie, verbindet sie in ihrem Werk Performance, text-basierte Scores und (Textil- & Holz-) Skulptur. Ihre multimedialen Arbeiten erforschen die Strukturen des Selbst durch eine vielschichtige Analyse von sich konstant verändernden Zuständen, insbesondere die menschliche Psyche, Anatomie und Umwelt. Ihre Forschungen zu generations-übergreifendem Traumata sind motiviert von der kollektiven und individuellen Geschichte ihrer Polnisch-Deutschen Vorfahren.
Als Künstlerin wurden ihre Arbeiten international präsentiert, u.a. Kesselhaus im Kindl Berlin (48 Stunden Neukölln, 2024), Nationalgalerie Vilnius (2023), Drugo Mare in Rijeka (2022), Uferstudios Berlin (2021), Kommunale Galerie Bärenzwinger in Berlin (2019), Tate Exchange im Tate Modern London (2017 & 2018), Arts Catalyst in London (2016), Foreign Affairs Festival beim Berliner Festspiele (2014). Als Gastvortragende und Mentorin arbeitete sie u.a. mit University of Arts London (seit 2023), SOAS University of London (2022), Garage Museum in Moskau (2019), Al-Quds Bard College (2018), und Chelsea College in London (2017). Dorniak hat einen Master Abschluss in Art and Science (Department Bildende Kunst) von dem Central Saint Martins in London (2017) und wurde mit ihrer Abschlussarbeit für den renommierten Studio Makers Prize von Outset X Tiffany’s nominiert. Seit 2024 ist sie Fellow in dem künstlerisch-wissenschaftlichen PhD-Programm zwischen der HfK Bremen und HDK Valand in Göteborg.

Die Berliner Künstler*in Dana Lorenz setzt sich in der künstlerisch-forschenden Praxis mit der thematischen Verwobenheit von Klassismus, queeren Körperpolitiken und biografischen Erfahrungen auseinander. Aus dieser Recherche entstehen raumgreifende Installationen, eine Assemblage aus skulpturalen Objekten, Fotografien und Texten, die essayistisch und assoziativ, humorvoll und reparativ geschrieben sind. Das Schreiben an der Schnittstelle zur bildenden Kunst ist ein wichtiger Teil Lorenz´ künstlerischer Praxis geworden und verkörpert weder eine akademische, noch eine rein literarische Textproduktion, sondern ist vielmehr ein integraler Bestandteil der visuellen Praxis. Aufgewachsen in einem Arbeiter*innenmilieu im Ost-Berlin der Nachwendezeit, widmet sich Dana Lorenz Erfahrungen von gesellschaftlichem Ausschluss und Teilhabe, in denen Momente zwischen Scham und Widerständigkeit zur individuellen Zerreißprobe werden. Die prägende Nachwendezeit der 90er/2000er Jahre und die zeitgenössische Reflexion Lorenz´ hinterfragt kritisch das Narrativ der „Wiedervereinigung als Erfolgsgeschichte“. Seit 2016 ist Dana Lorenz gemeinsam mit Fine Bieler Organisator*in, Kurator*in und Vorstandsmitglied der Verlagsplattform Edizione Multicolore e.V. – in enger Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Kollektiven sind rund 36 Künstler*innen-Bücher und Editionen entstanden, die an verschiedenen Orten wie ACRE, Berlin oder der HALLE14 & KV Leipzig veröffentlicht und präsentiert wurden.

Óscar Perdomo (er/they), geboren 1991 in Kolumbien, geboren in Kolumbien, lebt seit 2021 als Dichter, Autor und Doktorand im Bereich mittelalterliche Geschichte an der Freie Universität Berlin. Seine Doktorarbeit analysiert die Beziehungen zwischen Frankreich, Spanien und Afrika in der frühmittelalterlichen Entstehung des Marienkults. Sein Geschichtsstudium absolvierte er an der Universidad de los Andes in Bogotá. Im Jahr 2014 war er Teil der Anthologie „Memorias de Barrios“ in Santiago de Chile. Sein Roman „El dios de los herejes“ („Der Gott der Ketzer“) wurde 2015 in Bogotá veröffentlicht. Ebenfalls im Jahr 2016 erschien „Las señoras de los indios“, ein historisches Sachbuch, das vom ICANH (Kolumbianisches Institut für Anthropologie und Geschichte) veröffentlicht wurde. 2018 schloss Perdomo ein einjähriges Stipendium der Russischen Föderation in Kaliningrad für die Erforschung der russischen Kultur und Literatur ab. Sein Roman „La vanidad salvaje“ („Die wilde Eitelkeit“) wurde 2020 als Finalist beim Wettbewerb Clarín-Alfaguara in Buenos Aires ausgezeichnet. Für sein Werk „Jupiter 2“ erhielt Perdomo 2024 das Arbeitsstipendium für nicht-deutschsprachige Literatur des Berliner Senats.

Peter Odinzow wurde 1987 in Ferghana geboren. Im Jahr 1991, als Usbekistan seine Unabhängigkeit von der UdSSR erklärte, migrierte Peter mit der Familie als „(Spät-)Aussiedler*innen“ nach Deutschland. Die Migration begann in Witten (NRW), bevor die Familie 1993 nach Pforzheim (Baden-Württemberg) zog. Nach einer Kindheit und Jugendzeit in Süddeutschland, die Peters Sozialisierung und Bildung prägte, zog er 2011 nach Berlin. Dort schloss er 2018 ein Diplom im Fachbereich Freie Kunst/Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin Weißensee ab. Seitdem lebt Peter in Berlin, wo er in einem eigenen Studio in Pankow künstlerisch tätig ist.
Peters Arbeiten wurden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, die überwiegend von der freien Kunstszene organisiert wurden. Diese fanden auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene statt. Seine erste Duo-Ausstellung präsentierte er 2017 im Projektraum „MeinBlau“ (Berlin) gemeinsam mit dem*der Künstler*in De Andrade. Es folgten eine Solo-Ausstellung 2019 im Projektraum „Shoe Frog“ in Wien (Österreich) sowie 2021 eine Präsentation auf Einladung von Veneta Androva im Goethe-Institut Sofia (Bulgarien).
Peter hat regelmäßig mit verschiedenen Künstlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengearbeitet – sowohl individuell als auch in Projektgruppen oder Kollektiven. In diesem Rahmen hatte er die Gelegenheit, künstlerische Ideen für Institutionen wie das ZKM Karlsruhe (Deutschland), das Schwule Museum Berlin (Deutschland) und die Casa Franca Brazil in Rio de Janeiro (Brasilien) umzusetzen.


© Foto: Monika Gabriela Dorniak und Oscar Perdomo Ceballos, Canine Messengers and Arboreal Memories, VG Bild-Kunst Bonn, 2025

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