Künstlergespräch und Präsentation des Buches »BARE LIVES«

ICAL

Müllerstraße 146 13353 Berlin - zum Stadtplan

Donnerstag 01.06.2017 - Anfangszeit: 17:00 Uhr

Kategorie: Kunst (Galerien etc.)

Künstlergespräch und Präsentation des Buches »BARE LIVES«

BARE LIVES
28. April bis 10. Juni 2017


Donnerstag, den 1. Juni, 17 Uhr Künstlergespräch und Präsentation des Buches BARE LIVES mit Mario Rizzi und Solvej Helweg Ovesen und weiteren Gesprächsteilnehmer*innen
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Im Rahmen der Ausstellungsreihe UP (Unsustainable Privileges) setzt die Ausstellung BARE LIVES ihren Fokus auf die arabischen Aufstände und wie diese die Geopolitik dieser Region radikal verändert haben. Der in Italien geborene und in Berlin lebende Künstler und Filmemacher Mario Rizzi wählt einen persönlichen und individuellen Standpunkt: Er ruft die Rolle der Frauen innerhalb der Familie und einer sich wandelnden islamischen Gesellschaft ins Bewusstsein, sowie die Tatsache, dass Frauen in den frühen Tagen des sogenannten Arabischen Frühlings an der Spitze der Revolutionen standen. Die Ausstellung präsentiert die Filme »Kauther« (2014) und »Al Intithar« (Das Warten) (2013) sowie die Fotoserie »August 3rd« (2016) und die aus 80 Bildern bestehende Slideshow »Bare Lives« (2017). Die Bilder werfen Fragen auf bezüglich der Wahrnehmung von geflüchteten Menschen in westlichen Gesellschaften und der von den Medien gesteuerten Ängste und Paranoia. Gleichzeitig erinnern sie an unsere gemeinsame Verantwortung gegenüber jenen Menschen, die nicht das Privileg besitzen, eigene Alltagsstrukturen zu haben.

Mario Rizzis Arbeiten zeigen, wie sich die Bedingungen in den Geflüchtetenlagern auf das »bare life«, das nackte Leben der Menschen, auswirken. Ein Aspekt, der bisher weitgehend unbeachtete blieb. Rizzi stellt damit die Verbindung her zu Giorgio Agambens Konzept von »bare life« in dessen Buch »Homo sacer« (1995), welches sich auf ein menschliches Wesen bezieht, das abseits von Politik und Gesetz existiert. Eine Person genießt keinen Schutz und könnte von jedem ohne Konsequenzen getötet werden. Der Begriff beschreibt eine Art von Existenz, über die Mario Rizzi mit seinen Filmen und Fotografien reflekiert. Rizzis intime Herangehensweise an dieses Thema versucht mit Hilfe von Kunst als einem Mittel der Poesie und Menschlichkeit, einen sozialen Wandel herbeizuführen. Mario Rizzi hat bereits mit vielen Menschen zusammengearbeitet, die am Rande der Gesellschaft stehen und vom Schutz durch den Staat und das Gesetz ausgeschlossen sind. Während der letzten 25 Jahre interagierte er mit internen Vertriebenen sowie Geflüchteten und Aktivist*innen, die in Orten leben, in denen der Ausnahmezustand zur Normalität geworden ist. Er hat mehrere Jahre in Geflüchtetencamps in Bosnien, Palästina, Jordanien, dem Irak, in Kurdistan, Finnland, den Niederlanden, Italien und Griechenland verbracht und dort gearbeitet. Die acht Bilder aus der Fotoserie »August 3rd« porträtieren jesidische Frauen in einem Camp in der Autonomen Region Kurdistan in Irak. Der Titel der Fotoreihe geht auf den 3. August 2014 zurück, an dem der Islamische Staat in Sinjar, Irak, mit dem Massenmord der Jesiden-Minderheit begann, gefolgt von Versklavung und systematischem Missbrauch von Frauen und Kindern. Der Islamische Staat rechtfertigte die Taten damit, dass die Jesiden-Minderheit nicht muslimisch ist.

Die Slideshow »Bare Lives« zeigt in 80 Fotografien das »camp life« in mehreren Geflüchtetenlagern. Bilder zum einen aus den improvisierten Camps, die 2016 inoffiziell in Idomeni, an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, errichtet wurden, und in denen Menschen unter prekären Bedingungen leben. Zum anderen aus den Camps, die offiziell vom Staat für intern vertriebene Menschen eingerichtet wurden. Gemeinsam ist den porträtierten Menschen die Hoffnung darauf, dass die Grenze bald geöffnet wird und sie ihre Reise in wohlhabendere europäische Länder, nach Deutschland oder Schweden, fortsetzen können. Um dann nicht weiter zu kommen als in ganz Griechenland verteilte offizielle Camps.

Mario Rizzis 30-minütiger Film »Al Intithar« (Das Warten), der im Februar 2013 erstmals im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele gezeigt wurde, wurde während seines siebenwöchigen Aufenthalts im syrischen Geflüchtetenlager Zaatari in der jordanischen Wüste aufgenommen. Rizzi dokumentiert darin aus der Perspektive einer syrischer Frau namens Ekhlas und ihrer Familie die Schaffung einer Alltagsstruktur in dem – für inzwischen Hunderttausende von Geflüchteten – anhaltenden Warte- und Ausnahmezustand. Neben »Al Intithar« wird Rizzis in Tunesien gedrehter Film »Kauther« gezeigt, der die Geschichte von Kauther Ayari erzählt, der ersten – heute fast vergessenen– Aktivistin, die 2011 in Tunis am zentralen Muhammad-Ali-Platz die Stimme erhob und den damaligen Präsidenten Ben Ali anklagte, der sechs Tage später angesichts der öffentlichen Proteste sein Amt abgab und das Land verließ.

Mehr Informationen zum Ausstellungsprogramm UP (Unsustainable Privileges) 2017 finden Sie auf unserer Website unter http://galeriewedding.de/up/

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Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Spartenübergreifenden Förderung und des Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien

Photo___ Mario Rizzi: Untitled#1 from August 3rd, 2016

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Mehr Infos im Internet:

www.galeriewedding.de

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