Farben und Formen - Malerei von Judith Sturm, Keramikstelen von Hilla Koch-Neumann

ICAL

Festungsgraben 1 Berlin - zum Stadtplan

Sonntag 24.01.2010

Kategorie: Kunst (Galerien etc.)

Farben und Formen - Malerei von Judith Sturm, Keramikstelen von Hilla Koch-Neumann

Saarlandische Galerie - Europaisches Kunstforum e.V.
Eroffnung: 17. Dezember 2009, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 18. Dezember 2009 - 24. Januar 2010
Offnungszeiten: Dienstag - Sonntag, 15 - 19 Uhr

Farben & Formen
Malerei von Judith Sturm
Keramikstelen von Hilla Koch-Neumann

Judith Sturms aktuelle Arbeiten geben uns Bilder von Frauen zu sehen, die man aus Filmen und der Werbung langst zu kennen glaubt: Sie zeigen Frauen in sattsam bekannten Posen mit ihrer provokanten Zurschaustellung von nackter Haut und Korperlichkeit, die durch die eng sitzende, modische Kleidung betont wird. Der Bildausschnitt fokussiert auf stimulierende Details wie Brüste, Beine und Po, der Kopf als Zeichen der Individualitat wird durch die oberen Bildgrenzen -abgeschnitten-€œ. Die durch Posen, Gesten und Kleidungsstil geweckten Erwartungen werden beim genaueren Hinsehen jedoch durch bestimmte malerische Strategien subtil unterlaufen.

Die erwartbare makellose Haut erscheint fleckig und angegriffen. Eine mit Salzen behandelte Leinwand erzeugt beim Farbauftrag eine Maloberflache, die wie zerfressen wirkt. Farbspuren überziehen die Inkarnatflachen. Sie entziehen den Bildern die plakative erotische Wirkung indem sie auf das Gemacht/Gemaltsein hinweisen. Einen ahnlichen Effekt rufen die Spiele mit Figur und Hintergrund hervor. Einige konturierte Flachen werden bewusst nicht ausgemalt. So offenbart ein hoher weißer Damenstiefel beim genauen Hinsehen nur weiße Leinwand. Ein erotisch konnotiertes Tigermuster auf der Kleidung wird als neutrales grau-weißes wieder Hintergrundmuster aufgegriffen. Diese Irritationen halten uns als die Betrachtenden in einem Vexierspiel zwischen Annaherung und Abstand.

Hilla Koch-Neumann arbeitet seit Ende der 1970er Jahre mit Ton. Sie hat viele Jahre mit der Topferscheibe gearbeitet und ihre Werke aus Steinzeug gedreht und geformt. Ihr Interesse am europaischen Kunstgeschehen wie an fremden Kulturen, an historisch-traditionellen, archaischen Formen wie an klassisch modernen ließ sie zu ihrem eigenen Stil finden. Es lasst sie aber auch immer wieder neue Wege gehen. Seit einigen Jahren gestaltet sie Stelen, die von einem Gerüst aus Stahl gehalten werden.

Entstanden sind Mischwesen, Fabelwesen, mythische Figuren, meist Frauenfiguren, wie die -Konigin der Nacht-€œ oder eine Katzenfrau. Die abstrahierten Korper fügen sich aus Rohren zusammen, die Kopfe sind als freie kugelahnliche Formen gedreht oder geformt. Die Oberflachen werden durch geritzte Linien oder farbige Flachen gegliedert. Details wie Münder und Augen konnen plastisch hervortreten oder durch Ritzungen angegeben sein. Linien konnen als Richtung über einen Korper führen oder sich zu Zeichen und Symbolen (Herz, Spiral, Stern) fügen. Hilla Koch-Neumann spielt souveran mit den Moglichkeiten, die die Keramik schon immer geboten hat: Ihre Gestaltungen bewegen sich im Spannungsverhaltnis zwischen zweidimensionaler Flache und dreidimensionalem Gegenstand. Daraus resultiert auch die Mehransichtigkeit einiger Keramiken, die zu immer neuen Uberraschungen führt.

Zu den Künstlerinnen:
Judith Sturm wurde 1973 in Saarlouis geboren. Von 1994 bis 2000
studierte sie freie Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste
Saar. Nach dem Diplomabschluss wurde Judith Sturm zur Meisterschülerin
von Prof. Bodo Baumgarten ernannt. Im Jahr 2005 erhielt
sie eine Einzelforderung des Ministeriums für Bildung, Kultur und
Wissenschaft. 2006 und 2008 war sie zu Arbeitsaufenthalten in Tampa,
Florida. 1999 wurde Judith Sturm mit dem -Kulturpreis Junge Kunst
Saarlouis-€œ ausgezeichnet, 2000 erhielt sie ein Forderstipendium
Der Landeshauptstadt Saarbrücken. 2007 nahm sie am -Kunstpreis Robert
Schuman/Prix d-€™Art Robert Schuman-€œ teil. Seit 1995 wurden Judith
Sturms Arbeiten auf mehr als 25 Ausstellungen in Deutschland,
Frankreich, Irland, Italien, Polen, USA (Florida) und China gezeigt, ihre
Werke waren auch zweimalig auf der Bridge Art Fair in Miami zu sehen.

Hilla Koch-Neumann wurde 1938 in Kassel geboren. Nach einer Ausbildung zur Musiklehrerin fand sie 1979 den Kontakt zum Material
Ton. 1983 und 1984 war sie Gast an der Schule für Kunst und Handwerk
in Saarbrücken und in den Badischen Topfereien in Baden-
Baden. 1989 und 1990 folgte die Weiterbildung an der Europaischen
Akademie für plastisches Gestalten in Trier bei Hans Gassmann. Hilla
Koch-Neumanns Fertigkeit im Freidrehen auf der Topferscheibe
wuchs im Laufe der Jahre, sie erprobte auch eigene Feldspatglasuren
für den Steinzeugbrand. Aufenthalte in Nordafrika, Nepal, Jordanien,
Syrien und Libanon hinterließen bleibende Eindrücke, die sich in der
Gestaltung ihrer Stelen wiederfinden. Der ersten Ausstellung 1980
folgten mehr als 40 im Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg
und Nordrhein-Westfalen.

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