Ausstellungseröffnung im EWA e.V. Frauenzentrum
„Identity Check“ – Wer ist es?
Fotografie und Malerei von Marilyn de Polignac und Anne Kammermeier
„Sehen ist schwieriger, als es aussieht.“ (Ad Reinhardt)
Die Fotografin Marilyn de Polignac und Malerin Anne Kammermeier zeigen in der gemeinsamen Ausstellung Bilder, die Frauenidentitäten unterschiedlich imaginieren und interpretieren. Auf dem ersten Blick vollkommen verschieden... - oder etwa nicht?
Den Longdrink lässig in der Hand, schief lächelnd blickt die, im altmodischen Stil militärisch gekleidete, Frau dem Betrachter auf dem Foto kampfeslustig entgegen. Hinter ihr scheinen drei weitere uniformierte Frauen über die Geschehnisse eines Spieles zu grübeln. Selbstverständlich kann das Bild nur fiktiv sein, denn welche militärischen Anführer waren Frauen? Trotzdem wirkt das Bild bekannt und spätestens beim Anblick der kubanischen Mütze wächst ein vager Verdacht, um welche „Identität“ es sich handeln könnte.
Die Fotografien werden ergänzt durch groß- und kleinformatige Gemälde mit geheimnisvoll verlaufenen und bunten Frauengestalten und –gesichtern. Ihr Blick, teils anklagend, teils hypnotisch, scheint den Betrachter in den Bann zu ziehen und zu fragen: „Haben wir uns nicht schon einmal gesehen?“
Anne Kammermeier beschäftigt sich in ihrer Malerei mit seelischen Zuständen und versucht sie malerisch fürs Auge sichtbar zu machen. Ihre einfühlsamen Porträts sind geprägt von dem Wechselspiel aus zufälliger, intuitiv-expressiver und naturalistisch-abbildender Darstellungsweise. So wird das Modell zur Projektionsfläche und spiegelt nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die der Malerin und des Betrachters wider.
Marilyn de Polignacs Fotografien dagegen kreieren und erzählen Geschichten bekannter Charaktere. Von besonderem Interesse ist dabei die Rolle der Frau in der Gesellschaft, gestern und heute, sowie die Frage: „Was wäre wenn?“ Ihre Bilder erinnern – ohne erhobenen Zeigefinder – an die, in der aufgeklärten Gesellschaft fast in Vergessenheit geratene Unterrepräsentation der Frau innerhalb der Geschichtsschreibung.
Gemeinsam haben die beiden Künstlerinnen eine hochinteressante Ausstellung konzipiert, bei der die „Musen“ das verbindende Element darstellen. Auf jeweils unterschiedliche Weisen wurden dieselben Modelle inszeniert, wodurch der Ausstellungsbesucher auf zweifache Weise den „Identity Check“ vollziehen kann und zugleich Fragen der Gleichstellung und der verankerten Rollenbilder neu aufgeworfen werden.
Zur Vernissage am 06.07. ab 19 Uhr wird neben einer tänzerischen Performance für das leibliche Wohl gesorgt. Die Künstlerinnen sind anwesend.