Vernissage: Sonntag, den 02.10.2011, 19.00 Uhr
Finissage: Donnerstag, den 06.10.2011, 19.00 Uhr
Maarten van der Heijden, klassischer Musiker, Psychologe und jetzt bildender Künstler, wurde 1947 in Amsterdam geboren. Nach der Beschaftigung mit Wissenschaft und Musik wandte er sich im Alter von 58 Jahren der Bildenden Kunst zu. Die jüdischen Wurzeln seiner Familie wurden Zuhause kaum thematisiert. Van der Heijden verspürte jedoch das Bedürfnis, die eigene jüdische Identitat zu erforschen. Neben der jüdischen Tradition beschaftigte ihn vor allem der Holocaust. Die Konfrontation mit den nationalsozialistischen Verbrechen führte ihn nach eigener Aussage zu drei Moglichkeiten: -in den Kanal zu springen-, die Verdrangung, oder die Auseinandersetzung mit all diesen Schrecken. Van der Heijden entschied sich für Letzteres und nahm zu diesem Zweck an der Rietveld Akademie in Amsterdam ein Studium der freien Kunst auf. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung auf, die van der Heijdens künstlerische Auseinandersetzung mit der Shoah seit Studienbeginn durchlaufen hat.
In vielen Arbeiten verwendete van der Heijden Fotografien der Alliierten aus dem Jahr 1945. Seine Arbeit -Behind the Hills of Thueringen- von 2007, eine aufklappbare Boxkonstruktion, offenbart erst im Innern den ehemaligen Schrecken dieses Landstriches. Von außen ist sie mit Fotos der idyllischen Hügellandschaft beklebt. Wer die Schachtel offnet, sieht sich mit Fotos aus der Zeit der Konzentrationslager konfrontiert. In -Ecce Homo- bedient sich van der Heijden bei der Kunst der Renaissance. Er fertigt Fotomontagen, die Ausschnitte der Passion Christi mit Schwarzweißbildern der alliierten Fotografen kombinieren. Die resultierende Asthetik der Bilder erzielt eine sowohl anziehende als auch abstoßende Wirkung. Der Betrachter will verstehen, wird aber gleichzeitig verstort. Die beiden unterschiedlichen Bildbestande sind nicht nur über das Thema des Leidens verbunden, sondern nehmen auch stilistisch, in Form des Faltenwurfs der Stoffe oder der Korperhaltung der dargestellten Personen, aufeinander Bezug. Noch radikaler tritt diese konfrontative Asthetik in seinen farbenfrohen -Grotesques- in Erscheinung. Hier verfremdete der Künstler die Fotos der Alliierten durch digitale Bildverarbeitung zu kaleidoskopischen Bildern. Symmetrie, bunte Farben, Ornament und Wiederholung erschaffen ein dekoratives Muster. Den Schrecken registriert man erst bei genauer Betrachtung. Die Fotos der Alliierten werden damit von bekannten -Ikonen- zu neu gesehenen Schreckensbildern, die sich auf andere Art als durch das bloße Wiedererkennen bei der Betrachtung einschreiben.
Das 2008 begonnene Projekt -@Maarten141BOXES- beschaftigt sich auf eine implizitere Art und Weise mit der Vergangenheit. 141 gefüllte Kartons, die sich wahrend seines Lebens angesammelt hatten, wurden nach und nach entleert, der Inhalt fotografiert, archiviert und verstaut. Dabei generiert sich eine Autobiografie in Form von Bildern. Aus der Arbeit spricht das Verlangen, sich an das Vergessene wieder erinnern zu konnen, sowie Ordnung und Struktur in das eigene Leben zu bringen. Jeder Gegenstand aus den Kisten erzahlt eine eigene Geschichte, an jedem haftet eine Erinnerung. Uber die individuelle Erinnerung des Künstlers hinaus stellt die Arbeit allgemeine Fragen: Was macht die Identitat eines Menschen aus? Was bleibt von einem Menschenleben übrig? Damit thematisiert van der Heijden auch die Auswirkungen des Holocaust auf die nachgeborene Generation. Seit Anfang 2011 werden auf der Internetseite des Projektes nach und nach die Vorgange des Auspackens, Archivierens, Dokumentierens und des Verstauens der Inhalte, meist in Form von Fotos, gezeigt. Das Projekt ist interaktiv angelegt, wobei die Diskussionen und Kommentare der Besucher und Besucherinnen Einfluss auf die Entwicklung des Projekts nehmen sollen.