KINO DER LETZTEN TAGE im FILMRAUSCHPALAST MOABIT
prasentiert am 19.5.12 ab __19:00__ Uhr:
MUTANTENKINO #4
3 Filme von John Carpenter (mit Einführung), OmU
ASSAULT ON PRECINCT 13 (ASSAULT-ANSCHLAG BEI NACHT/DAS ENDE) 1976, 91 Min.
ESCAPE FROM NEW YORK (DIE KLAPPERSCHLANGE) 1981, 95 Min.
THE THING (DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT) 1982, 109 Min.
Das Vietnam-Debakel, die 68er-Umbrüche und die Atombomben des Kalten Kriegs versetzten die USA der Siebziger- und Achtzigerjahre in eine Art kollektiven Zustand der Paranoia, Zukunftsangst und tiefgreifenden Verunsicherung. Ebendiese gesellschaftliche Stimmung schlagt sich in den frühen Filmen von John Carpenter nieder, die quasi nichts anderes als grimmige Weltuntergangsszenarien und skeptische Bestandsaufnahmen der nationalen Lage sind.
Eine Sequenz aus -zAssault on Precinct 13- (USA 1976), Carpenters zweitem Spielfilm, fasst die paranoide Grundstimmung seiner Filme mustergültig zusammen: Die Perspektive aus einem Zielfernrohr, das im Vorüberfahren mit einem Auto wahllos Passanten ins Visier nimmt, bringt die Atmosphare der allgegenwartigen Bedrohung auf den Punkt – hier kann es jeden ganz nebenbei treffen, der Untergang der Ordnung liegt buchstablich in der Luft. Ausgerechnet eine Polizeidienststelle fallt im weiteren Verlauf einer Belagerung durch brutale Gangmitglieder zum Opfer, die wie Zombies oder Maschinen, jedenfalls kaum wie Menschen erscheinen – an psychologischen oder soziologischen Erklarungsmodellen zeigt Carpenter kein Interesse, ihm geht es um die filmische Uberzeichnung gesellschaftlicher Angste mit den Mitteln des Genrekinos. Zur Inszenierungsweise Carpenters gehort immer auch der für ihn typische (und in aller Regel vom Regisseur selbst komponierte) Synthesizer-Soundtrack, der sich wie ein Vorhang vor die Bilder schiebt und die dystopische Grundstimmung mit elektronischen, monotonen Klangen verstarkt.
Im Science-Fiction-Actionthriller -zEscape from New York- (USA 1981) ist die Ordnung, zumindest im Handlungsort des Films, bereits zerbrochen: Manhattan dient als Hochsicherheitsgefangnis, in dem die Haftlinge sich selbst überlassen bleiben und tagtaglich ums Uberleben kampfen. Als der amerikanische Prasident mit seiner Air Force One inmitten dieser urbanen Holle abstürzt, schicken die Behorden den vormaligen Elitesoldaten Snake Plissken (Kurt Russell) auf eine Rettungsmission – neben dem Staatsmann soll auch eine Audiokassette gesichert werden, deren Inhalt einen (zur Entstehungszeit ja bekanntermaßen nicht abwegigen) Atomkrieg verhindern kann.
In -zThe Thing- (USA 1982) übertragt John Carpenter die amerikanische Paranoia abermals in ein düsteres Science-Fiction-Horror-Setting. Ein außerirdisches Virus, das die Form jeglicher Lebensform annehmen kann, greift auf einer antarktischen Forschungsstation um sich: Hier kann jeder der Feind sein, was die Gruppe der ums Uberleben kampfenden Manner, ganz so wie die Gesellschaft jener Tage, von innen her spaltet und zerreißt – spektakulare Splattereffekte inklusive.