Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Berliner Ortsteil Gesundbrunnen keine populäre jüdische Wohngegend. Jedoch gab es auch hier eine lebendige und vielfältige jüdische Gemeinde mit Synagoge, Altersheim, Krankenhaus und vielen Betrieben in jüdischer Hand. In dem Arbeiterviertel waren jüdische Orthodoxe, Liberale, Kommunisten, Industrielle und Kaufleute zu Hause. Auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben wurde durch jüdische Büger:innen mitgeprägt, man denke beispielsweise an das Reformwohnungsbau-Projekt Gartenstadt Atlantic mit der Lichtburg - zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Kino- und Varietétheater Deutschlands.
Gemeinsam mit der Stadtführerin Nirit Ben-Joseph wollen wir uns am 19. Juni 2022 auf die Spurensuche jüdischen Lebens rund um die Badstraße begeben. Wir werden die Geschichten mehrerer jüdischer Familien kennenlernen und etwas über deren Kampf, die eigene Existenz zu retten und aus Deutschland zu fliehen, erfahren. Die Geschichten sind voll von Verzweiflung, Denunziation und Mord, aber auch geprägt von gegenseitiger Hilfe, Rettung und Neuanfang.
Einige Stolpersteine erinnern bereits an die Schicksale ehemaliger jüdischer Bewohner:innen des Viertels, aber es gibt noch viel mehr Spuren jüdischen Lebens im Badstraßenkiez zu entdecken!
Die Tour startet um 12:00 Uhr auf dem Vorplatz des ehemaligen Hostels "Hostelo" in der Jülicher Straße 14 (nahe S+U-Bhf Gesundbrunnen) und endet mit einem kleinen Rundgang im Mitte Museum.
Die Führung wird ca. 2 1/2 Stunden dauern und ist kostenfrei.
Da die Anzahl der Teilnehmer:innen begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung unter suessundsalzig@georg-georg.de.
Nirit Ben-Joseph wurde 1961 in Hadera geboren. Nach ihrem Abschluss der Film- und Fernsehstudien an der Universität Tel Aviv, studierte sie Film und Kommunikation an der FU Berlin und war als Regisseurin und Regieassistentin für das deutsche Fernsehen tätig. Seit 1998 arbeitet sie als Touristenführerin für jüdische und deutsche Geschichte, u. a. für das diplomatische Personal und offizielle Gäste der israelischen Botschaft und seit 1999 auch im Haus der Wannseekonferenz.
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Süß+Salzig wird gefördert durch das Quartiersmanagement Badstraße (Programm Sozialer Zusammenhalt) und veranstaltet von georg+georg.