Performancefestival in Moabit

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Samstag 28.08.2010

Kategorie: Feste & Festivals

Performancefestival in Moabit

Mit seiner fünften Ausgabe lotet das Festival "M5 / Differential" am 28. August erneut den gegenwartigen Stand der Performance-Art aus. In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Tiergarten werden zwischen 11 und 21.30 Uhr zwolf Performances prasentiert, die in diesem Jahr im offentlichen Raum entlang der Turmstraße und in angrenzenden Seitenstraßen sowie im Projektraum Kurt-Kurt und der Dominikanerkirche St. Paulus stattfinden. Das Festival reflektiert die verschiedenen Lebenssituationen, Lebensstile und -perspektiven der Menschen in Moabit und will diese ausdifferenzierte Vielfalt im Straßenbild widerspiegeln.







Die teilnehmenden KünstlerInnen werden sich mit der Situation auf der Straße ebenso auseinandersetzen, wie mit den Besonderheiten des Bezirkes und der Entwicklung der Turmstraße in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten. Der lokale Bezug der Performances ist das verbindende und entscheidende Merkmal der eingeladenen KünstlerInnen.







Das Programm im Uberblick:







A‚»CleaningA‚« Monika Ortmann



11, 12, 13 u. 14 Uhr, Projektraum Kurt-Kurt, Lübecker Str. 13 (je 15 min)



Zentrales Thema der Arbeit ist die Verwundbarkeit des menschlichen Korpers und seiner Seele. Bilder von Puppen, gesammelt seit 1974 auf Flohmarkten, im Müll entsorgte, abgeschalte Hüllen, werden von Leinwanden gewaschen, bis darunter liegende Worte sichtbar werden.







A‚»Cat walk-inA‚« Birgit Ramsauer



11 Uhr, TurmstraßeA¢-‚¬-€¦/A¢-‚¬-€¦Ecke Emdener Straße (ca. 2 h)



mit einer Visagistin, drei Models, der Modefotografin Navina Hausmann, Passanten und Autofahrern



Die Ampelpassage wird zum A‚»Cat-Walk-inA‚«, die Passanten zu Objekten einer Shooting-Szene. Die Models nehmen die Straßenszene an der Ampel in ihren A‚»Cat-Walk-inA‚« auf, setzen sich auf die Motorhauben, rakeln sich an den Autofenstern und flirten mit den erstaunten Fahrern. Sie legen sich auf die Straße an der Ampel oder mischen sich unter Gruppen von Passanten bei der Ampelüberquerung. Die Grenzen zwischen Voyeurismus und A‚»Straßen-Cat-Walk-InA‚« verschwimmen durch die Beobachtung der Kamera der Modefotografin, die die Szene aus der Realitat heraushebt und in einer Fixierung der Szene in einem A‚»Cat-Walk-inA‚« eint.







A‚»DonA¢-‚¬-,¢t hurt meA‚« BBB Johannes Deimling



11.30 Uhr, Start an der Galerie Nord entlang der Turmstraße (durational)



Mit bandagiertem Kopf hofft der Künstler nicht verletzt zu werden, evoziert aber um so deutlicher Bilder bereits erfolgter Verletzungen. Wahrend sich Deimling mit seiner Partnerin durch die Turmstraße bewegt, macht er mit destruktiven Handlungen auf unterschwellig aggressive Tendenzen im Straßengeschehen aufmerksam. Nicht erst der gegenwartige Prozess gegen die Totschlager aus der Münchener U-Bahn zeigt, dass latente Gewaltstromungen an unerwarteter Stelle ausbrechen konnen. Abseits davon nimmt Deimling mit seinem Bild in schlüssiger Weise Bezug auf aktuelles Kriegsgeschehen.







A‚»VorbeiA‚« MAƒA¡rcio Carvalho



12 Uhr, Start am Kurt-Kurt entlang der Turmstraße (durational)



In einer Langzeitperformance bewegt sich MAƒA¡rcio Carvalho entlang der Turmstraße und nutzt hierbei Dacher von Kirchen und Markthallen ebenso wie Straßenlaternen und Zaune. Das ungewohnliche Bild seiner personalen Hangung bricht aus dem üblichen Straßengeschehen heraus. So kreiert er eine Landkarte der Orte, mit der er den Rhythmus der Straße auf verschiedenen Ebenen aufnimmt.







A‚»Untranslatable WordsA‚« Ana Dovrat Meron



13 Uhr, Start am Kurt-Kurt entlang der Turmstraße (durational)



Für die in Israel geborene Künstlerin sind nicht übersetzbare Worter nicht zuletzt deshalb ein Faszinosum, weil sie bei ihrer internationalen Performance-Tatigkeit immer wieder auf solche stoßt. Vor dem multikulturellen Hintergrund der Turmstraße sammelt sie daher auf ihrem Weg durch die Großstadt die A‚»untranslatable wordsA‚« in Ohr und Rucksack, um sie schließlich im offentlichen Raum auszubreiten.







A‚»KonstruktionenA‚« Richard Rabensaat



14 Uhr, Lowenskulptur in der Wilsnacker Straße (30 min)



Rabensaat spielt in seiner Performance auf die verschiedenen rechtlichen Konstruktionen an, die dem gesellschaftlichen Gemeinwesen zugrunde liegen. Die Schlange, die der Lowe der Skulptur zu erschlagen versucht, hat tatsachlich eine Vielzahl von Gesichtern, denen verschiedene Kulturen mit ganz unterschiedlichen Wertmaßstaben und Gesetzestexten begegnen.







A‚»breakthrough withoutA‚« Herma Auguste Wittstock u. Ivan Civic



15 Uhr, Glasvitrine am Mathilde-Jacob-Platz (3 h, durational)



Die beiden Performer agieren in der glasernen Vitrine auf dem Mathilde-Jacob-Platz. Zur Schau gestellt werden sie zu Augenscheinsobjekten für die sich wandelnde Straßenszenerie und beobachten dabei ihrerseits die vorbeihastenden Passanten. Eine direkte Interaktion ist nicht moglich, aber wie reagiert A‚»die StraßeA‚« auf die unerwarteten A‚»AusstellungsstückeA‚«?







A‚»HolonA‚« AndrAƒA©s Galeano



15.30 Uhr, Mathilde-Jacob-Platz (60 min)



Aus einer detailgenauen Beobachtung der situativen, ornamentalen Ikonografie des Mathilde-Jacob-Platzes entwickelt der Künstler eine sich kontinuierlich verandernde, installative Performance. Dabei greift Galeano sowohl die urbane Geometrie als auch die ornithologischen Implementationen des administrativ genutzten Zweckbaus und des viereckigen Vorplatzes auf. Wichtiger Spielpartner der Performance ist die kontemporare Division des ubiquitaren Zeitkontinuums.







A‚»ReservereifenA‚« Maren Strack



16 Uhr, Mittelstreifen TurmstraßeA¢-‚¬-€¦/A¢-‚¬-€¦Ecke Thusneldaallee (ca. 15A¢-‚¬-€œ30 min)



In der Turmstraße bewegt man sich am besten auf Autoreifen fort.



Maren Strack tanzt auf dem Mittelstreifen mit Autoreifen.



Vorbeifahrende Autos, Menschen, die in haltende Busse ein- und aussteigen, oder Mütter, die Kinderwagen auf dem schmalen Bürgersteig an fremdlandischen Lebensmittelladen vorbeimanovrieren: Man kann nicht behaupten, dass sie die Performance storen, weil sie die Sicht des Zuschauers beeintrachtigen. Sehen wir es doch einfach so: Für eine kurze halbe Stunde wird das alltagliche Turmstraßenbild durch das Auftauchen eines zum Auto mutierten Menschen bereichert, dem lange angekündigten Auftreten eines seltenen Kometen gleich.







A‚»Blumen für MathildeA‚« Judith Karcheter



17 Uhr, Mathilde-Jacob-Platz



Ausloser für die Performance A‚»Blumen für MathildeA‚« ist eine Gedenktafel auf dem Rathausplatz Tiergarten, auf der an die im KZ Theresienstadt verstorbene Mathilde Jacob erinnert wird. Mit Papier- und frischen Blumen, mit Kopien und Verweisen wird Judith Karcheter im Laufe des Festivals für Mathilde eine Hommage an ihrem Gedenkplatz installieren und um 17 Uhr zu einem Vortrag über die Protagonistin und die Entstehung der Arbeit vor Ort einladen.







A‚»ReinformA‚« Nezaket Ekici



20.15 Uhr, vor der Dominikanerkirche St.A¢-‚¬-€¦Paulus, Waldenserstr. 28 (ca. 30 min)



In ihrer installativen Performance bezieht sich Nezaket Ekici auf die Bedeutung des Elementes Wasser und das Ritual der Waschung, das sich in den drei abrahamitischen Religionen, d.A¢-‚¬-€¦h. im Christentum, im Judentum und im Islam wiederfindet. Hiervon ausgehend entwickelt Nezaket Ekici einen Handlungsablauf, der auf diese Bedeutungsebenen rekurriert und ebenfalls partizipative Elemente aufweist.







A‚»manchmal schlafe ich tiefA‚« Rabi Georges



21 Uhr, in der Dominikanerkirche St.A¢-‚¬-€¦Paulus, Waldenserstr. 28 (20A¢-‚¬-€œ30 min)



Gekleidet in ein langes, weißes Gewand wird Rabi Georges im Kirchenraum des Dominikanerklosters St.A¢-‚¬-€¦Paulus eine rotierende Handlung ausführen, deren Referenzraum in religiosen Gesten des Orients liegt. A‚»Im Fokus seiner Arbeiten stehen die Zeichen der Religionen und die Ikonografie der Geschlechterrollen, er zeigt Gewalt und Macht der Symbole, beklagt aber gleichzeitig den Verlust des Mystischen in einer postreligiosen Gesellschaft.A‚« (Prof. Monika Grütters, MdB)







Screening von Performance-Videos



11 bis 18 Uhr, Projektraum Kurt-Kurt, Lübecker Str. 13



mit weiteren Informationen zu den Performances







Diskussion



18.30 Uhr, Projektraum Kurt-Kurt, Lübecker Str. 13 (ca. 75 min)



mit Dr. Peter Funken, Prof.A¢-‚¬-€¦Dr. Hanne Seitz, BBB Johannes Deimling (Künstler) u. Ingolf Keiner (Künstler): Ist Kunst-Performance der ultimative Straßen-Event A¢-‚¬-€œ oder hat sie ihren Platz doch eher im white cube?







Veranstalter: Richard Rabensaat



in Kooperation mit dem Kunstverein Tiergarten



weitere Informationen in der Galerie Nord, Turmstr. 75, 10551 Berlin



www.kunstverein-tiergarten.de







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