Berliner Studierende unterschiedlicher Kunsthochschulen finden sich zusammen für einen Opernabend, der so nicht wieder stattfinden wird.
Wir zeigen zwei Opern (gekürzt auf jeweils 60 Minuten) aus gegensätzlichen Grenzbereichen der Operngeschichte. „Die Krönung der Poppea“ (1642) von Claudio Monteverdi - aus der Geburtsstunde der Oper und die „Riemannoper“ (1988) von Tom Johnson - eine Oper aus dem 20. Jahrhundert. So spannen wir den Bogen vom Anfang der Oper bis zu ihrem möglichen Ende... Außerhalb der großen Opern-Tempel dieser Stadt verwandeln wir den Freiraum des studierendenWERKS BERLIN in einen Opernsaal und wenden uns damit ausdrücklich an alle Studierenden – auch an die, die sich (bisher) nicht freiwillig in die Oper verirren würden. Hierfür bietet der „Freiraum“ des studierendenWERKs BERLIN den nötigen Rahmen, um die Studierenden der verschiedenen Hochschulen für dieses Projekt zu vereinen und ein Studierendenpublikum zur erreichen.
Die Krönung der Poppea: Liebesgeschichte oder Thriller?
„L’incoronatione di Poppea“ ist eines der frühesten überlieferten Werke des Musiktheaters und gleichzeitig viel komplexer als viele späteren. Die Geschichte eines Konkurrenzkampfes zweier Frauen beschreibt hier keine Seite als schwarz oder weiß: jede einzelne ist um kein Mittel verlegen, die andere zu besiegen, während beide das gesamte Spektrum der menschlichen Emotionen durchleben. Beide werden gleichzeitig Täterinnen und Opfer. Ihre Motivationen sind ebenso vielschichtig: auf der einen Seite die Liebe, auf der anderen der Drang zur Macht und generell das Überleben treibt sie an.
Weitere Figuren, genauso komplex, sind von Angst und Sehnsucht getrieben und sobald man annimmt eine Kategorisierung gefunden zu haben, zeigen sie plötzlich eine ganz neue Seite. Darum ist das Genre auch schwer zu fassen: es ist sowohl Liebesgeschichte als auch Thriller. „Poppea“ ist ein Beispiel dafür, dass Musiktheater eine der breitgefächerten narrativen Künste ist, in der die dramaturgische Spannung der Hollywood Filme auf die Emotionen der romantischen Romane trifft.
Besetzung:
Poppea – Alfheidur Erla Gudmundsdottir
Nerone – Caroline Schnitzer
Seneca – Shokri Francis Raoof
Drusilla – Janina Staub
Ottavia – Sarah Bouchet
Ottone – Devi Suriani
Musikalische Leitung: György Budányi
Musikalische Einstudierung: So-Hee Kim
Regie: Adam Tulassay
Bühne und Kostüm: Katja Pech, Janina Kuhlmann
Orchesterbesetzung – tba
Dauer: ca. 60 Minuten
Im Anschluss – eine Pause von 20 Minuten
Riemannoper: "Finden Sie Oper auch irgendwie komisch?"
Achtung, hier kommt nun Fachwissen zur Oper: „Der lyrische Tenor erfordert Schönheit und Glanz der Stimme“, Die Arie und das Rezitativ gibt es seit 1600 und das „Leitmotiv ist die Bezeichnung für eine prägnante musikalische Gestalt, die einem bestimmten dichterischen Moment zugeordnet ist“. Warum erzählen mir das die Sänger*Innen auf der Bühne? Gute Frage! Richtige Frage, an deren Beantwortung sich das Team um Regisseur Dirk Girschik abarbeitet und einen komödiantischen Blick hinter die Kulissen der Oper wirft. Das Libretto der Riemannoper basiert auf dem Musiklexikon von Hugo Riemann von 1882 und behandelt grundsätzliche Bausteine der Oper, wie das Rezitativ, die Arie, diverse Stimmgruppen, etc. Damit beschreibt sie die Oper formal und vermittelt Basiswissen für das frühe Musiktheater. Da wir uns während der Vermittlung selbst in der Oper befinden werden Protagonisten und Zuschauer ermächtigt, auf unterhaltsame Weise, ihr eigenes Bild dieser Kunstgattung mit dem Behaupteten abzugleichen. Die Frage nach der Form der Oper steht im Raum. Was ist die Oper? Was kann sie erzählen? Ist sie relevant? Zeitgemäß? Oder schon lange tot?
Besetzung:
Prima Donna assoluta – Derya Atakan
Prima Donna – Dominika Koscielniak
Tenor – Collin Schöning
Bariton – Miha Brkinjac
Musikalische Leitung: So-Hee Kim
Klavier / Orgel – Peter Gorobets
Regie und Bühne: Dirk Girschik
Kostüm: Emma la Main
Bühnenbildassistenz: Oliver Thomas
Dauer: ca. 60 Minuten