Wir waren Nachbarn - Biografien jüdischer Zeitzeugen
Vortrag mit Dr. Ruth Jacob
Das Schöneberg der 1920er und 1930er Jahre war eines der Zentren der aufgeklärten deutschen Kultur und Intelligenz in Berlin. Albert Einstein, Erich Fromm, Wilhelm Reich, Leo Baeck, Billy Wilder lebten hier. Ein tragender Teil dieses kulturellen und sozialen Netzwerkes waren Ärzte. Fast zwei Drittel der Schöneberger Ärzte hatten jüdische Wurzeln. Ab April 1933 begann die Phase der systematischen Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Ärztinnen und Ärzte, die ihren vorläufigen negativen Höhepunkt durch die „Vierte Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 25. Juli 1938 fand, die allen im „Altreich“ verbliebenen jüdischen Ärzten die Approbation zum 30. September 1938 entzog. Die größte Gruppe unter den 8.000 bis 9.000 jüdischen Ärztinnen und Ärzten, die Anfang 1933 in Deutschland tätig waren, waren die niedergelassenen Kassenärzte. Von den 1938 noch praktizierenden mehr als 3.000 jüdischen Ärzten in Deutschland durften fortan nur noch 709 mit widerruflicher Genehmigung als „Krankenbehandler“ weiterarbeiten, rund die Hälfte davon in Berlin.
In ihrem Vortrag schildert Dr. Jacob anhand verschiedener Biografien die Situation jüdischer Ärzte während der NS-Zeit in Berlin, wie diese Familien emigrieren mussten und in der US-amerikanischen Gesellschaft Fuß fassen konnten.
Dr. Ruth Jacob, Berliner Neurologin, Psychiaterin und Psychotherapeutin war im Jahr 1988 in New York in der neurologischen Klinik des Albert Einstein Colleges tätig. Dort kam sie mit zahlreichen jüdischen Emigranten in Kontakt. Als Gastwissenschaftlerin forschte sie in New York zur Emigration jüdischer Ärzte. Für ihre Wanderausstellung "Jüdische Ärzte in Schöneberg - Topographie einer Vertreibung" wurde sie gemeinsam vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausgezeichnet.
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