Vortrag von Thomas Macho
Don Juan/Don Giovanni genießt die Freuden des Lebens, der Welt und des Fleisches. Wahrend der unstillbare Wissensdurst des Faust diesen niemals zur Ruhe kommen lasst und der Ewige Jude Ahasaveros rastlos durch die Welt streifen muss, findet auch Don Juan/Don Giovanni keine Erholung, moge er auch noch so viele Frauengemacher erobern. Die erotische Erregung ist verschwunden, sobald er im Morgengrauen das Bett verlasst. Innerhalb des Christentums gehort Don Juan/Don Giovanni der katholischen Mythologie an, wahrend Faust eher als eine protestantische Figur zu betrachten ist. Er ist ein Damon, ein wollüstiger Geist, der die Reue vor dem Grab im Auge hat. Bis dahin aber kostet er das Leben aus. Das Fischermadchen Tisbea prophezeite ihm: -Denk, ein Gott ist über dir,/ Der im Tod den Frevler richtet!- Darauf antwortet er: -Lange Frist gewahrst du mir.- Warum vor den Leckereien eines Banketts, das das Leben schenkt, zogern, wenn es noch einen letzten Atemzug gibt, um zu bereuen? Don Juan ist nicht irgendein Lüstling, denn er ist sich bewusst, dass über ihn ein Urteil gefallt werden wird. Er hinterfragt die calvinistische Doktrin der Vorbestimmung: Wenn alles für das Leben danach bestimmt ist, welche Bedeutung haben dann unsere Handlungsweisen in diesem Leben? Fausts Problem besteht in seiner Intellektualitat. Don Juan/Don Giovanni muss diese Bürde nicht mit sich herumschleppen. Seine Triebfeder ist, nichts unversucht zu lassen. Am Ende singt der Chor: -Solche frechen Worte scheue:/ -O noch hab' ich lange Zeit!/ Der du tragst des Staubes Kleid,/ Kurz nur ist die Frist der Reue.-™- Worauf Don Juan antwortet: -Ich bin gesattigt/ heb-™ die Tafel auf.-
Eintritt frei
am 1.3.2011 um 20.00 Uhr
Adresse
Zeughauskino
Deutsches Historisches Museum
(Zeughausgebaude Eingang Spreeseite)
Unter den Linden 2
10117 Berlin