Von neuen Religionskriegen ist allerorten die Rede, eine Theologie der Gewalt breitet sich aus. Im Blickfeld der öffentlichen Debatten sind aber meistens, oft sogar allein, Musliminnen und Muslime und auch hier nur Terrorgruppen, die mit Koran, Kalaschnikow und Säbel in der Hand mordend Gottesstaaten errichten wollen. Besonders seit 9/11 werden islamistische Gewalttäter zunehmend als Symbolfiguren und Repräsentanten für eine tief sitzende und prinzipielle Gewaltaffinität des Islam wahrgenommen. Die Folge davon sind z.B. Burka-Verbote in Frankreich und Belgien oder die Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz, vor allem aber eine wachsende Feindseligkeit gegen Muslime in den westlichen Gesellschaften schlechthin.
Bedroht ist damit auch die große Mehrheit der friedlichen Muslime. Martha Nussbaum, eine der bedeutendsten Philosophinnen der USA, hat in ihrem jüngsten Buch über die neue religiöse Intoleranz diese Situation gründlich analysiert. Sie unterscheidet die begründete Furcht vor Gewalt (als rationale Angst) von der diffusen Angst als einer „verdunkelnden Voreingenommenheit", die mit einem narzisstischen „Fokus auf die eigene Person (...) andere Menschen in die Dunkelheit verbannt". Obwohl diese Ängste in einer wahrhaft gefährlichen Welt essenziell sind, so sind sie doch selbst auch eine der großen Gefahren für das Zusammenleben in Einwanderungsgesellschaften. Ihr Buch, ein Plädoyer für mehr Toleranz, hat zwiespältige Reaktionen hervorgerufen, wir setzen uns mit ihrer Argumentation auseinander.(Quelle: Internetseite)