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SUMMARY:Mehr aus dem Swing-Tagebuch des Bruno W.\, Berlin 1937-39
DESCRIPTION:Lesung aus einem unveröffentlichten Tagebuch. Im Café "Zum Schwalbenschwanz"\, Margaretenstraße 22\, 10317 Berlin (S+U Lichtenberg)Do.\, 8. November 2018\, 20 Uhr. Bruno W.\, Teil 2: Die ungelesenen Passagen.Bruno W. (19) aus Berlin-Friedrichshain schreibt in den 2 Jahren vor dem 2. Weltkrieg Tagebuch: Er ist in einer Swing-Clique und flirtet mit vielen Frauen: mit der jeweils aktuellen Freundin ("Gattin") offiziell\, mit den anderen heimlich. Mit seinem Bruder Keule hat er sich einen "Liebeskeller" eingerichtet.1938 wird er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen – weg von der Großstadt in kleine schlesische Dörfer. Doch auch in den Dorfgaststätten kann es hoch hergehen...Auszüge aus diesem Tagebuch (aus meiner Handschriften-Sammlung) wurden seit 2014 in Berlin\, Hamburg\, München und Regensburg präsentiert - vor allem die Szenen in den großen Tanzpalästen\, angereichert durch eine Erzählerin\, durch Bilder\, Musik und Live-Tänzer. Auch ein Hörbuch entstand: http://vergangenheiter.de/swing-tagebuch/Viele wunderbare Stellen mussten wir damals der Länge wegen streichen: Nun werden diese ausgegraben und hier im Schwalbenschwanz erstmals präsentiert: ohne Tänzer\, aber mit Bildern und Erläuterungen. Und mit euch!Auszüge:"Und nochmal habe ich Erna in dem Tanzlokal gesehen. Sie mit Boy\; scheinbar alles in bester Butter. Den ganzen Abend über habe ich mit fremden Mädels getanzt\, ohne etwas zu finden. Waldemar Schröder war gestrichen voll\, als wir heimfahren wollten – wir hatten länger Urlaub bekommen. Mit unglaublichen Schwierigkeiten hatte ich ihn 50 m vom Lokal weggekriegt\, als plötzlich zwei Mädchen auf mich zugerannt kommen – die beiden. Erna setzte sich auf die Querstange vom Fahrrad und – ließ sich hintenüberfallen und mir in die Arme. Ihr Körper kuschelte sich dicht und warm an mich heran\, und ruhig lagen ihre kleinen Brüste in meinen Händen\; ihre weichen Wangen und ihre gekonnten Küsse ließen mich den Zapfenstreich vergessen. So verweilten wir einige Zeit in Gegenwart der Freundin beieinander\, ihre Sorge war nur\, dass die Freundin nicht so laut spreche\, damit ihr Gatte\, der Frisör\, nicht rauskäme.""Am Montag sind wir dann frühzeitig zurückgefahren. In Miersdorf-Werder legten wir unsere Kaffeepause ein. Als wir uns dann auf der Liegewiese sonnten – es war das erste mal heute – kam die Frau. Nur ihr Kleid passte nicht nach Miersdorf\, sondern eher auf den Tanzboden\; ein Kleid aus blauem Tüll\, das gut zu ihrem wohlzurechtgemachten blonden Kopf passte. Sie sah so lieb und kindlich aus und wir zollten ihr vollen Beifall. Leider sprach sie was von Arbeitsdienstführerin und Brüderchen und ich stellten nachträglich fest\, dass ihr liebes Gesichtchen doch nicht mehr so jung aussah. Wir unterhielten uns so laut und deutlich\, dass sich schließlich die ältere Dame\, mit der sie sprach\, gezwungen sah\, ihr unser begeistertes Gespräch zu übermitteln\, worauf sie in königliches Gelächter ausbrach. Brüderchen gab mir den Rat\, sonntags in Miersdorf swingen zu gehen. Todsicher würde ich sie treffen. Ich aber danke lieber – zu ihrem und meinem Vorteil – und schwelge weiter in Erinnerung! –"
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